The Last Guardian Playstation4
The Last Guardian: Das etwas andere Game | Screenshot: Sony Interactive Entertainment
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05. Jan 2017

Nikolai Goletz

Games

The Last Guardian

Meisterwerk mit Macken

Wo sind wir? Wer sind wir? Was ist das für 1 Tier?

Wir wachen langsam auf. Unser namenloser, junger Held bemerkt seltsame Tätowierungen an seinem Körper, die vorher nicht da waren. Auch der Ort scheint ihm fremd zu sein. Und wäre das nicht schon schlimm genug, ist er auch nicht allein. Was wie eine durchzechte Nacht mit schlimmen Folgen klingt, ist der Beginn von The Last Guardian. Uns begleitet eine tiefklingende Stimme, die uns das Geschehen erzählt. Damit ist klar: Die Geschichte wird uns als eine Rückblende präsentiert; die erwachsene Stimme, die da spricht, ist unser kleiner Freund in ferner Zukunft.

Doch mit wem sind wir hier an diesem geheimnisvollen Ort gefangen? Das Wesen schläft und ist angekettet. Es ist groß und wirkt wie eine Mischung aus Hund, Katze und Vogel, vergleichbar mit einem Greif. Es handelt sich hier um "Trico", ein menschenfressendes und doch wunderschönes Tier. Wir entdecken Speere, die tief in seinem Körper stecken, Trico ist verwundet… und wird wach.

Voller Respekt halten wir Abstand, können seinen Blicken aber nicht entfliehen. Wir wollen ihm nicht zu nahe kommen, aber unser Instinkt sagt, dass wir ihm helfen müssen. Also fangen wir an, die Speere zu entfernen und durchsuchen die Höhle nach Fässern, die etwas beinhalten, worauf Trico total abfährt. Wir geben ihm die Fässer samt Inhalt zu fressen und gewinnen so an Vertrauen. Genug Vertrauen, um ihn von seinen Ketten zu lösen. Schnell wird beiden klar, dass man sich gegenseitig helfen muss, um aus dieser Höhle zu entkommen.



Zu zweit ist es besser als allein

Unser spielbarer Protagonist ist nicht bewaffnet und wirkt auch nicht wie ein muskulöser Protz, der Wände einreißen kann. Aber wir können sehr gut springen, klettern und uns durch kleine Löcher quetschen. Für alles Grobe haben wir Trico, dessen Vertrauen wir im Laufe des Spiels immer mehr und mehr gewinnen. Zu Beginn finden wir einen seltsam glänzenden Schild, mit dem wir das Licht auf Ziele lenken können. Das wiederum funktioniert wie ein Zielsystem, denn plötzlich schießen mächtige Blitze aus Tricos Schwanz. So können wir Holztüren zerstören, um uns den Weg in den nächsten Bereich frei zu machen.

Trico bewegt sich elegant wie eine Katze und ist mindestens genauso sehr verschmust. Er mag es, wenn wir seine Schnauze oder sein Fell, was hauptsächlich aus Federn besteht, streicheln. Trico zeigt sogar Gefühle, wie z.B. Angst oder Wut. Man kann dies besonders gut an den Augen erkennen. Schimmern sie lila, so ist Gefahr in der Nähe. Die Gefahr besteht aus seltsamen Statuen, die wie Wächter in dem ein oder anderem Gang oder Raum stehen. Ihre Augen leuchten wie Taschenlampen. Kommen wir ihnen zu nahen, haben sie unseren kleinen Held entdeckt und machen Jagd auf uns.

Ihr Ziel ist es, uns zu verschleppen. Doch das weiß Trico zu verhindern! Er schlägt nach ihnen, springt auf sie drauf oder schnappt nach ihnen, um die unheimlichen Statuen durch die Lüfte zu schleudern. Danach ist Trico meist noch sehr aufgewühlt, dass wir ihn mit Streicheleinheiten besänftigen müssen. Auch so kümmern wir uns weiter liebevoll um ihn und ziehen weitere Speere aus seinem Körper, sollte er getroffen worden sein. Durch all diese Abenteuer wird die Bindung zwischen uns viel stärker und Trico beginnt, auf uns zu hören.

Trico – eine Nummer für sich

Hin und wieder sollte man sich eine Pause gönnen und seine Blicke auf Trico richten. Was hier aus digitalen Inhalten geschaffen wurde, ist ein großes und einzigartiges Meisterwerk. Er wirkt so lebendig und hat seinen eigenen Kopf. Gerade zu Beginn ist es schwierig, ihn das machen zu lassen, was wir wollen. Trico ist neugierig und verspielt. Mal rollt er sich im Wasser, mal putzt er sich sein Gefieder und manchmal "spielt" er mit seinem Futter, den Fässern, und sitzt einfach vor ihnen, um sie mit seinen Krallen rumzuschubsen. Wenn man sich draußen befindet, kann man den Wind erkennen und wie er durch seine Federn weht. Dieser Detailreichtum sieht nicht nur wunderschön aus, er führt auch dazu, dass wir als Spieler ebenfalls eine emotionale Bindung zu ihm aufbauen.

Trico erlaubt uns, dass wir an ihm hochklettern dürfen und somit Orte erreichen, die wir allein nicht hätten erreichen können. Mit kleinen Befehlen springt er mit uns auf dem Rücken über große Schluchten oder höher gelegenen Arealen. Gemeinsam erkunden wir die geheimnisvollen verlassenen Ruinen dieses Ortes, denn nur zu zweit können wir hier wieder raus finden.


The Last Guardian Trico


Wenn das Wörtchen "Wenn" nicht wäre,...

... dann wäre The Last Guardian ein perfektes Spiel abseits des Mainstreams. Jedoch hakt es hier und da mit der Kamera. Besonders, wenn wir gerade auf Tricos Rücken sind und er mit uns durch einen Gang mit niedriger Decke läuft. Da kommt es schon mal zu unschönem, schwarzen "Geflacker" und das Bild ist kurz weg. Auch so ist es oft schwierig, sich einen Überblick vom neu-rkundeten Ort zu machen, da die Kamera oft automatisch wieder zu unserem kleinen Helden zurück schwenkt. Ebenso hakt es manchmal mit der Steuerung. Auf Tricos Rücken rauf oder wieder runter zu kommen, erweist sich hier und da als nervenzerreisende Turnübung und es klappt einfach nicht wie gewünscht. Hier kann man sich nur wünschen, dass beides mittels eines Updates nochmal nachgebessert und somit das Spielerlebnis verbessert wird.

Ein weiterer, negativer Aspekt ist die Grafik. Trotz neuester Konsolengeneration (und 4K-Unterstützung bei der PS4 Pro), wirken manche Areale veraltet und Texturen wirken schwammig oder wiederholen sich zu stark, dass es sofort auffällt. Jedoch macht der echt-wirkende Trico alles wieder wett und lässt uns das schnell vergessen.

Fazit zu The Last Guardian

The Last Guardian ist ein fast schon meditatives Spiel mit wunderschöner Atmosphäre, grandioser Soundkulisse (gespielt vom London Symphony Orchestra) und unglaublich tollen Details. Die Natur, die Blätter, der Wind… alles kann man förmlich spüren. Man taucht in eine lebendige Spielwelt ein, die man nicht so schnell verlassen möchte. Die Geschichte wird regelrecht miterlebt und durch die emotionale Bindung zu Trico zu einem unvergesslichen Spielerlebnis gemacht. Sehr empfehlenswert für diejenigen, die gerne mal ein ruhigeres Spiel in die Hand nehmen.


The Last Guardian PS4 CoverUNICUM Gaming-Tipp

The Last Guardian

Sony Interactive Entertainment     

Erhältlich exklusiv für die Playstation 4

Ab 12 Jahren

Artikel-Bewertung:

3.6 von 5 Sternen bei 45 Bewertungen.

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