Bernd das Brot und die Unmöglichen
Bernd das Brot und seine Freunde | Foto: © Deep Silver, a division of Koch Media GmbH, Austria
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01. Nov 2014

Stefan Schröter

Games

Bernd das Brot und die Unmöglichen

Ein wirklich brotiges Adventure

Ach, Mist!

Eigentlich wollte Bernd doch nur seine Ruhe haben. Leider hat er dabei den Plan ohne seine "Freunde" Chili, das Stuntschaf und den Erfinderbusch Briegel gemacht. Die drei ungleichen Helden schmeißen sich in ihre Kostüme und werden zu den Superhelden Sheep Majors, Dr. Bumblebee und Der Kantige Koloss. Denn wenn das Verbrechen zuschlägt, schlagen sie zurück. Ach, Mist. Nach einem Unfall mit dem Berndmobil (bei dem der gute Wachtmeister Budimtschitsch fast dran glauben muss) schlittern sie in ihren ersten Fall und müssen das Verschwinden der Statue des "Erkälteten und Skat spielenden Yaks" aus dem Stadtpark klären, bevor die langolische Delegation zum alljährlichen Teebeutelwerfen eintrifft.

Abgedrehtes Adventure mit jeder Menge Rätsel

Die Geschichte des Abenteuers um Bernd und seine Freunde greift erzählerisch in die Vollen. Selten habe ich eine dermaßen abgedrehte Handlung erlebt, die die Helden um die halbe Welt führt –von Wollavien bis Langolien –, immer auf der Suche nach dem verschwundenen Yak. Dabei hört die aggressive Tierwelt nicht bei Kampf-Erpeln auf und dem wehrhaften Trio stellen sich allerlei Hindernisse in den Weg, die in gewohnter Point'n'Klick-Manier umgangen werden müssen.

Häufig müssen Gegenstände im Inventar kombiniert, betrachtet oder entsprechend der Umgebung benutzt werden. Dabei gibt es einige rote Heringe und Bernd lässt sich nicht lumpen, den Müll, den man im Laufe des Spieles aufsammelt, entsprechend zu kommentieren. Ärgerlich sind nur Momente, in denen man weiß, dass man einen Gegenstand theoretisch aufnehmen kann, das Spiel dies aber noch nicht zulässt. Andererseits haben die Entwickler einige nette "Meta-Rätsel" eingebaut, die über die Spielwelt hinweggehen und die 4. Dimension durchbrechen – eine sehr schöne Idee! Die Schwierigkeit der Rätsel reicht dabei von "Ah, offensichtlich!" zu "Bitte was jetzt?".

Die meiste Zeit bin ich relativ gut durch das brotige Abenteuer gekommen – obwohl ich an einigen Punkten kurz davor stand, einen Blick in die beigelegte Komplettlösung zu werfen. Allerdings sind die meisten Rätsel logisch und ergeben sich aus dem Zusammenhang. Eine Hilfe-Funktion gibt es leider nicht, dafür die obligatorische Hervorhebung von Objekten, mit denen der Spieler interagieren kann. Ärgerlich wurde es nur kurz vor Ende, als die Kamera durch einen Bug mitten in einer Fahrt hängenblieb und ich nicht mehr weiterspielen konnte. Glücklicherweise hatte ich einen nahen Spielstand und konnte das Spiel von einer früheren Stelle fortsetzen, allerdings wird häufiges Speichern so zur Pflicht - im schlimmsten Fall verliert man mehrere Stunden Spielfortschritt.

Der Charme der Serie bleibt erhalten

Ein Lob haben in jedem Fall die Schreiber der Dialoge verdient. Die Charaktere sind perfekt getroffen und Bernd lockert mit seiner mürrischen Grundstimmung jede Situation auf. Auch Briegel der Busch und Chili das Schaf bleiben ihren Serienvorbildern treu und können vor allem eines besonders gut: Nerven. Eine kleine Vorwarnung an dieser Stelle: Hat man den Fall des verschwundenen Yaks nach 5 bis 6 Stunden gelöst, weiß man warum Bernd am Rand des Nervenzusammenbruches ist. Spätestens, wenn Chili aka Sheep Majors "YAK, YAK, YAK" schreiend durch den Stadtpark rennt, ist der Geduldsfaden bedrohlich gespannt. Zwangsläufig muss man im Spielverlauf auch die Rolle des Schafes bzw. des Busches übernehmen, allerdings meist nicht lange und im Grunde war ich froh, als ich wieder Bernd kontrollieren konnte.

Grafisch bewegt sich das Spiel auf einem dem Genre angemessenen Niveau – 3D-animierte Charaktere bewegen sich in 2D-Landschaften, die mit animierten und beweglichen Hintergründen aufwarten. Dabei läuft das Spiel problemlos auch auf älteren Rechnern flüssig. Auch wenn die Anzahl der verschiedenen Umgebungen sehr überschaubar ist, überzeugen sie durch ein liebevolles Design, das den Charme der Serie sehr gut einfängt.

Vor allem die Akustik kann sich hören lassen – eine fünfköpfige Band hat die Musik extra für den Titel eingespielt und kann dabei überzeugen: Stichwort "Lama". Ein kleines Manko gibt es allerdings: Sobald die Hintergrundmusik für einen Schauplatz einmal durchgelaufen ist, wird sie nicht wiederholt und die musikalische Untermalung fällt weg. Hier müssen die Entwickler noch mit einem Patch nachbessern. Sämtliche Dialoge innerhalb des Spiels sind synchronisiert und wurden von den Original-Sprechern eingesprochen – hier wurden keine Kosten und Mühen gescheut.

Eine Hommage an die Popkultur

Das Abenteuer um den Kastigen Koloss und seine beiden Sidekicks verneigt sich mit unzähligen Anspielungen vor dem Point'n'Klick-Genre und punktet mit popkulturellen Referenzen. Das fängt schon bei Bernds Kostüm an, das dezent an einen bekannten DC-Superhelden erinnert. Auch Sheep Majors als Hommage an den beliebten Stuntman Colt Seavers sorgt für ein Schmunzeln. Damit gesellt es sich zu dem Gummihuhn aus "Monkey Island" und auch der Ausstieg aus einem fliegenden Flugzeug ist eine Verneigung vor eine bekannte Szene aus "Zak McKracken" – kein Wunder, dass die Flugzeugtoilette abgeschlossen ist.

Überhaupt wirkt das Abenteuer von Bernd wie eine Mischung aus Superhelden-Comic trifft "Sam & Max" trifft "Monkey Island" – und das ist durchaus positiv zu verstehen. Die Geschichte wird abseits der Hauptschauplätze über animierte Comic-Strips erzählt, die den Superhelden-Charakter der Protagonisten unterstreichen. Besonders spaßig wird es, wenn Bernd und die Entwickler die 4. Dimension durchbrechen und sich direkt an den Spieler wenden. Hier punktet das Spiel durch Kreativität, die manch anderem Adventure gut stehen würde. Kleines Schmankerl für alle Fans: Das Spiel kommt standardmäßig in einer Steelbox in der Form des Kantigen Koloss, die eine zusätzliche DVD mit Bonusmaterial enthält! Ein sehr schönes Sammelobjekt für den geneigten Fan.

Fazit zu "Bernd das Brot und die Unmöglichen"

"Bernd das Brot und die Unmöglichen" ist nicht perfekt. Es gibt einige Bugs, die Spielzeit ist relativ kurz und manchmal sind die Rätsel unlogisch. Allerdings sind das nur kleine Mankos, denn ansonsten überzeugt das Spiel auf ganzer Linie. Sehr gut getroffene Charaktere, eine originelle Story und eine gute musikalische Untermalung mit durchgehend hoher Qualität sorgen dafür, dass Bernds erstes Abenteuer für den PC viel Spaß macht.

Dabei überzeugt es sowohl das jüngere Publikum als auch ältere Fans des mürrischen Brotes und ist für junge Spieler ein guter Einstieg in das Point'n'Klick-Adventure-Genre, während erfahrene Gamer sich über die Anspielungen auf alte LucasArts-Adventures amüsieren. Ich freue mich auf jeden Fall auf weitere Episoden mit dem Kantigen Koloss!


UNICUM Game-Tipp

Bernd das Brot und die Unmöglichen

Deep Silver/Koch Media

Erhältlich für PC

www.deepsilver.com

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