Zum Verwechseln ähnlich
Zum Verwechseln ähnlich: Ab dem 13. Juli 2017 im Kino | Foto:Neue Visionen Filmverleih
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13. Jul 2017

Nina Weidlich

Filme

Zum Verwechseln ähnlich

Ab dem 13. Juli im Kino

Patchwork mal anders

Ein weißes Adoptivkind für ein schwarzes Pärchen? Lange haben die Verantwortlichen des Familienamtes beraten, ob sie das wirklich machen können – So einen Fall gab es schließlich noch nie. Sie entschieden sich, den ungewöhnlichen Schritt zu wagen. Als Sali und ihr Mann Paul nach jahrelangem Warten endlich ihr Adoptivbaby abholen können, sind sie aber weniger geschockt, sondern vor allem entzückt: Der kleine, weiße Benjamin ist ab sofort ihr Sohn.

Natürlich sieht jeder sofort, dass er nicht ihr leibliches Kind ist. Natürlich gibt es komische Blicke – aber ist das denn so schlimm? Die Welt ist bunt und schwarze Eltern mit weißen Babys längst überfällig. Die Gesellschaft ist bereit dazu, da sind Sali und Paul sich sicher. Patchworkfamilien sind nichts Besonderes mehr, und auch andersherum hat man die Farbkombination ja schon einmal gesehen.

Vom zuckersüßen Benjamin ganz in ihren Bann gezogen, ahnen die jungen Eltern noch nicht, dass es sehr wohl jemanden gibt, der etwas gegen den Culture Clash haben könnte: Madame Mallet, strenge Frisur, biedere Klamotten, kritischer Blick. Sie bestätigt jedes Klischee der spießigen Beamtin und ist für die Aufsicht von Sali, Paul und Benjamin zuständig ist. Einmal pro Woche besucht sie die Familie. Immer unangekündigt, um Fehler zu finden, die eine Aufhebung der Adoption möglich machen könnten.



Eine (fast) perfekte Familie

Besonders Sali fühlt sich von den ungewöhnlich häufigen Besuchen der Beamtin unter Druck gesetzt. Und das, obwohl die drei auch ohne jegliche Vorbereitung eine perfekte Familie abgeben: Wickeln? Kein Problem. Füttern? Klappt tadellos. Schlafen legen? Wird mit einem afrikanischen Wiegenlied erledigt. Dass Sali, Paul und Benjamin glücklich sind, ist nicht zu übersehen. Auch Madame Mallet entgeht das nicht, und das macht sie nervös. Deshalb stachelt sie weiter: Wie Salis Familie auf den Familienzuwachs reagiert hat? – Super, sie lieben den Kleinen.

Die Wahrheit ist: Salis Eltern wissen noch gar nichts von dem weißen Wonneproppen. Zu groß ist die Angst, dass die traditionsbewussten Senegalesen kein Verständnis aufbringen für so viel Multi-Kulti. Beim ersten Zusammentreffen mit Oma und Opa in spe zeigt sich dann, wie groß das Problem wirklich ist: Die Großeltern Mamita und Ousmane wollen das Baby nicht akzeptieren. Schon der Name – ugh – und die Hautfarbe? Ein No-Go. Die Sache ist klar: Das wird niemals ihr Enkelsohn sein. Sali muss das Kind zurückgeben.

Natürlich denkt Sali gar nicht daran, sich von ihrem Baby zu trennen. Die Konsequenz: Sie bricht mit ihren Eltern und damit auch mit ihren afrikanischen Wurzeln. Doch nicht nur ihre Familie macht der jungen Mutter klar, dass die ungewöhnliche Adoption nicht so einfach wird, wie sie anfangs angenommen hat. Auf dem Spielplatz und beim Kinderarzt hält man sie für die Nanny des Jungen, im Café bekommt ihre weiße Freundin Komplimente für ihr niedliches Baby – Salis Baby. An alldem müsste sie sich nicht stören. Trotzdem beginnt sie langsam zu begreifen, dass die Welt vielleicht doch noch nicht so bunt ist, wie sie gehofft hat.

Zum Verwechseln ähnlich Rezension

Rassismus, überall Rassismus

Doch zum Glück hat sie Freunde, die sie in dieser Zeit unterstützen: Ihre Schwester versucht den Streit zwischen ihr und den konservativen Eltern zu schlichten, ihre beste Freundin organisiert ein Treffen mit einem weißen Pärchen, die nach der Adoption eines schwarzen Jungen ähnliche Probleme hatten. Und auch ihre afrikanischen Freundinnen wollen helfen, wenn auch auf ihre ganz eigene Art: Sie könnten ihr ein schwarzes Kind aus Afrika besorgen, kein Problem, der Kleine sei schon im Flieger und unterwegs nach Frankreich. Doch all das will Sali nicht. Sie hält daran fest, dass die Liebe zu ihrem Kind richtig ist, und weicht dem kleinen Benjamin deshalb keine Sekunde von der Seite.

Bis zu dem Tag, an dem das Baby durch einen unglücklichen Zufall in die Hände einer illegal in Frankreich lebenden Afrikanerin – und damit bei der Polizei landet. Für die fremdenfeindliche Dame vom Amt endlich  Grund genug, Paul und Sali das Adoptivkind wegzunehmen.

Unter der Situation leidet nicht nur die junge Mutter, auch Benjamin verweigert seit der Trennung jegliche Nahrungsaufnahme. Im droht sogar schon die künstliche Ernährung. Als Sali erfährt, wie schlecht es um ihren Sohn bestellt ist, setzen sie und ihre Freunde alles daran, ihn wieder dahin zu bringen, wo er hingehört. Und auch Salis aufbrausende und sture  Mutter sieht auf einmal ein, dass Benjamins "weißer Hintern" dringend gerettet werden muss.

Fazit zu "Zum Verwechseln ähnlich"

Egal, für wie weltoffen wir uns halten: "Zum Verwechseln ähnlich" lässt uns darüber nachdenken, wie wir wohl reagieren würden, wenn Sali, Paul und Benjamin uns auf der Straße entgegen kämen. Denn auch, wenn es ganz egal sein sollte, ob Eltern und Kind die gleiche Abstammung haben: Vermutlich würde jeder von uns zwei Mal hinschauen und einen Moment lang zweifeln.

Wie man nicht nur mit den Blicken zurechtkommt, sondern es auch noch schafft, zwei so unterschiedliche Kulturen unter einen Hut zu bekommen, ist Thema dieses Films. Obwohl sowohl die aufgeregte Art von Salis Mutter als auch der sture Patriotismus ihres schweigsamen Vaters uns an die Grenzen unserer Nerven bringen: Es ist gut, dass sie für ihre Kultur kämpfen. Und genauso gut ist es, dass sie fremde Einflüsse in diese Kultur zulassen.

Am Ende ist "Zum Verwechseln ähnlich" allerdings weniger gesellschaftskritisch, als das Thema vermuten lassen könnte. Eigentlich ist es fast schade, dass man den Film zur Komödie "degradiert" hat. Durch die ernsten Szenen, die es durchaus gibt, kann man das Leid der jungen, verzweifelten Mutter zumindest erahnen. Auch einige Lacher hätten der Story keinen Abbruch getan – aber ein allzu übertriebenes und glückliches Happy End sorgen dann leider doch dafür, dass "Zum Verwechseln ähnlich" nur zur gelungenen Samstagabend-Unterhaltung taugt.


Zum Verwecheln ähnlich FilmplakatUNICUM Abi Filmtipp:

Zum Verwechseln ähnlich

Komödie, Frankreich 2017

Regie: Lucien Jean-Baptiste

Darsteller u.a.:  Lucien Jean-Baptiste, Aïssa Maïga, Zabou Breitman

Verleih: Neue Visopnen Filmverleih

Laufzeit: 95 Minuten

Artikel-Bewertung:

3.69 von 5 Sternen bei 13 Bewertungen.

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