Thomas Broich
Thomas Broich (li.) beim Dreh zu "Tom meets Zizou" | Foto: mindjazz pictures
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21. Jul 2011

Anke-Elisabeth Schoen

Filme

Thomas Broich im Interview

-ARCHIV-

Eine Doku über das Leben des Fußballers

Kein Sommermärchen

UNICUM: Acht Jahre lang hat Sie der Filmemacher Aljoscha Pause begleitet. Heraus gekommen ist die Dokumentation "Tom meets Zizou – Kein Sommermärchen". Die Langzeitstudie zeigt ihre ungewöhnliche Karriere, Erfolge und Niederlagen inklusive. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie sich ihn ansehen?
Thomas Broich: Ich hatte ja in Berlin bei der Vorabpremiere schon das Vergnügen und war völlig ausgelaugt hinterher. Es ist ziemlich grenzwertig, sich zusammen mit ein paar hundert Leuten einen dermaßen intimen Film über das eigene Leben anzuschauen, das vor allem von schleichendem Niedergang geprägt ist. Rückblickend ist der junge Kerl, der ich einst war nicht immer sympathisch, aber ich kann durchaus heute noch nachvollziehen, warum ich damals so gehandelt habe oder dies oder jenes gesagt habe.

Wann hat bei Ihnen die Erkenntnis eingesetzt, dass Sie in Deutschland kein Sommermärchen erleben werden?
Als ich von Gladbach weg bin wusste ich, dass meine Karriere am Scheideweg steht. Mit 25 hängt dem Wort Talent schon oft das vermaledeite 'ewig' an. In der Medienhölle von Köln lief es dann prompt für die ganze Mannschaft nicht rund und fortan ging es, mal abgesehen von den paar schönen Aufstiegsmonaten, den Bach runter.

Haben Sie die Frauen-Fußball-WM verfolgt? Was sagen sie zum Abschneiden der Deutschen Nationalmannschaft und zum Event selber?
Ich hab es nur am Rande verfolgt und ausgerechnet beim Japanspiel auch ein bisschen reingeschaut. Die Frauen-WM ist fraglos eine tolle Sache, nur erschließt sich mir nicht ganz, warum heutzutage alles immer gleich ein nationales Event zu sein hat.

Sein Philosophie-Studium hat er schnell aufgegeben

Vor einigen Jahren haben Sie begonnen in Düsseldorf Philosophie zu studieren. Was ist daraus geworden? Haben Sie heute einen Abschluss in der Tasche?
Das Studium habe ich seinerzeit bald wieder aufgegeben. Als ich nach Köln gewechselt bin, wollte ich mich ganz auf Fußball konzentrieren und keinerlei Angriffsfläche bieten.

Während ihres Philosophiestudiums haben Sie sich besonders für Aristoteles interessiert. Was finden Sie an dem so gut?
Das Interesse für Aristoteles rührte noch von meinen Kollegstufenjahren her. Aristoteles Nikomachische Ethik, die Ideen wie die Mesoteslehre oder eine interessante Vorstellung vom Glück beinhaltet, hat mich damals recht fasziniert.

Sie haben sich für einen halbwegs normalen Uni-Alltag entschieden, mit Kontakt zu Kommilitonen und Besuch von Vorlesungen und Seminaren. Was hat Sie an einem Präsenzstudium gereizt?
Ehrlich gestanden habe ich schon immer mit einem weinenden Auge auf meine studierenden Kumpels geguckt. In mir schlummerte definitiv ein Vollblutstudent - im Guten wie im Schlechten. Gierig Wissen aufsaugen und gleichzeitig das Studentenleben in vollen Zügen geniessen, das wäre genau mein Wetter gewesen.

Was kommt nach Sport und Studium?

Heute studieren Sie nebenbei Marketing. Ist Marketing – im Gegensatz zur Philosophie - die zielbewusstere Studienwahl?
Heute bin ich älter und hoffentlich ein Stück reifer. Mein Karriereende ist zum Greifen nah. Deshalb studiere ich jetzt Wirtschaft, da sind die Berufsaussichten schlichtweg deutlich besser.

Wie verbinden Sie aktuell ihr Studium mit ihren Trainingseinheiten für Brisbane Roar?
Das funktioniert reibungslos. Da Fußballer in Australien in der Regel nach ihrer Karriere nicht ausgesorgt haben, kümmert sich der Verband vorbildlich um die Berufsausbildung der Spieler. Die uns zur Seite gestellte Career Adviserin begleitet beispielsweise mein Onlinestudium mit Rat und Tat und klärt Dinge, falls es doch einmal Überschneidungen gibt.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft nach dem Sport und nach dem Studium? Vielleicht doch eine Karriere als Schauspieler?
Ganz ehrlich, da habe ich noch überhaupt kein Bild vor Augen. Zuerst einmal möchte ich noch solange spielen, wie es Spaß macht und im Idealfall bis dahin mein Studium beendet haben. Danach bin ich für alles offen. Nur was Hollywood angeht, bin ich dann doch ein wenig skeptisch.

Was würden Sie aufgrund Ihrer Erfahrungen jungen Leuten mit auf den Weg geben, die noch nicht genau wissen, was sie studieren oder mal beruflich machen wollen? Gibt’s ein Geheimnis, seinen richtigen Weg zu finden?
Da bin ich der falsche Ansprechpartner. Ich muss meinen Weg abseits des Fußballplatzes ja selber erst noch finden. Und was den richtigen Weg angeht; den glaube ich schlägt man vor allem dann ein, wenn man verstanden hat, dass es mehr als nur einen richtigen Weg gibt.


Mehr Infos zum Film findet ihr unter www.tommeetszizou.com

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