Spieltrieb
Alev (Jannik Schümann) entführt Ada (Michelle Barthel) ins Bohème-Leben | Foto: Concorde Filmverleih
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30. Apr 2014

Christina Scholten

Filme

"Spieltrieb": Die Hauptdarsteller im Interview

Im Gespräch: Michelle Barthel und Jannik Schümann

"Das Lebensgefühl der Charaktere haben wir verstanden"

UNICUM ABI: Die Charaktere, die ihr spielt, sind beide extrem. Was war das Herausforderndste daran?Michelle: Diese Einsamkeit, die beide fühlen. Die fand ich ziemlich real. Es gibt viele Menschen, die einsam sind und sich nicht mit ihrem Umfeld identifizieren können – gerade in der Pubertät. Sie fühlen sich dann oft falsch, was aber nicht an ihnen liegt. Sondern es ist das Umfeld, das macht, dass es gewisse Dinge gibt, die sie nicht teilen können. Dass sie sich allein gelassen fühlen. Wie es bei Ada der Fall ist.

Kennst du das Gefühl der Einsamkeit von dir selbst?
Jannik: Ich wurde zum Glück von Einsamkeit verschont. Bisher. (Klopft auf Holz) Ich kann mich überhaupt nicht als einsamen Jungen beschreiben.

Die "Spieltheorie" ist sehr kompliziert – habt ihr alles verstanden?
Michelle: Ich glaube, das Lebensgefühl haben wir verstanden. Dieses Nihilistische: Wir leben jetzt in den Tag, es komme, was wolle! Wir sind unsere eigenen Götter und wir erschaffen uns selbst. Wir entscheiden uns für unser Leben, wir entscheiden uns für unsere Rollen, wir entscheiden uns für das, was wir tun.

Jannik, Größenwahnsinn und Arroganz, ist das spannender, als immer lieb zu sein?
Jannik: Die Mitte wäre cool. Ich halte nicht viel von Arroganz, weil ich es nicht mag, wenn man sich über andere Menschen stellt und sich für etwas Besseres hält. Aber kleine Mauerblümchen finde ich auch echt langweilig.

"Das Grundprinzip der Manipulation gibt es überall"

Michelle, kannst du nachvollziehen, warum Ada alles so tut, wie Alev es möchte?
Michelle: Ich kann es sehr gut nachvollziehen. Sie verliebt sich einfach unsterblich in diesen Typen, der sie das erste Mal in dieses Bohème-Leben entführt, sie mit in Nachtclubs nimmt und ihr zeigt, wie schön das Leben auch sein kann. Sie war vorher immer streng zu sich selbst.

Würdest du das selbst so machen?
Michelle: Ich denke schon. Wenn man so verliebt ist, dann kann man das nicht reflektieren. Man spürt es einfach.

Denkt ihr, dass das, was im Film passiert, auch an der Schule wirklich sein könnte?
Jannik: Wir spiegeln ja in dem Film nicht die Realität der deutschen Schulen wider. Aber das Grundprinzip der Manipulation und dieses "Ich verfalle einem Menschen aufgrund von Bewunderung oder Verliebtheit" und dann Dinge zu tun, die man eigentlich nicht tun würde, die gibt es überall.

Wie kann man sich davor schützen?
Jannik: Ich glaube, man kann sich nicht schützen.

Michelle: Gerade in der Schulzeit ist das schwierig. Den Mut zu haben, etwas dagegen zu sagen und darüber zu sprechen, ist sehr schwer. Man wird in ein System hineingesogen, bei dem schnell klar ist, wer cool ist und wer nicht. Doch wer entscheidet das eigentlich? Es gibt diese Eigendynamik der Masse und ihrer Entscheidungen und ich glaube, dass das auch durch den Medienumgang provoziert wird. Mit Facebook zum Beispiel. Da passiert viel, das wir noch nicht kontrollieren können.


UNICUM Filmtipp: Spieltrieb

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Juli Zeh und wurde vom Regisseur Georg Schnitzler verfilmt. Alev, der neu an der Schule ist, überzeugt die kluge Außenseiterin Ada von seiner Lebenssicht: Alles ist ein Spiel. Verliebt und überzeugt von der Theorie, verführt Ada ihren Lehrer Smutek, den die zwei Schüler mit dem Videomaterial erpressen. Doch das Spiel gerät aus den Fugen …

"Spieltrieb" ist auf DVD, Blu-Ray und als Download erhältlich. Mehr Infos: www.spieltrieb-derfilm.de

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