Josefine Preuss Türkisch für Anfänger
Josefine Preuss mit Elyas M'Barek in "Türkisch für Anfänger" | Foto: Constantin Film
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14. Mär 2012

Merel Neuheuser

Filme

Josefine Preuß: Lieber Ausbildung als Abitur!

-ARCHIV-

Interview zum Kinofilm "Türkisch für Anfänger"

Hat sie die Schule geschmissen oder nicht?

UNICUM: Ich bin nicht ganz schlau daraus geworden, ob du jetzt die Schule abgebrochen hast oder nicht. Da liest man verschiedene Sachen...
Josefine Preuß: Ich bin Lehrertochter! Ich hab’ also schön meine Zehnte beendet – Fachoberschulreife und nicht mal mit schlechtem Abschluss. Dann habe ich auf Schauspielschulen vorgesprochen, wurde genommen und mir war klar, ich mache lieber eine Ausbildung als Abitur. Aber ich habe weder die Schule abgebrochen noch hingeschmissen. Keine Ahnung, woher das mal kam, aber das hält sich hartnäckig.

Und die Schauspielschule? Hast du die dann zu Ende gemacht?
Nein, die habe ich abgebrochen! Wegen einer ganz fürchterlichen Dozentin. Ich kann gut mit Kritik umgehen, wenn sie sachlich bleibt. Mit Kritik, die persönlich angreift, konnte ich mit 16 Jahren noch nicht umgehen. Ich war die Jüngste und die Einzige, die damals schon gedreht hat (die Serie "Schloss Einstein", Anm. d. Red.). Ich hatte mit Neidern zu kämpfen, das war unglaublich. Nichts gegen Schauspielschulen, das muss jeder für sich selbst wissen, mein Weg war "learning by doing". Und hätte ich die Schauspielschule durchgezogen, hätte ich niemals "Türkisch für Anfänger" gedreht.

Lena war zuletzt in der Serie schon 22, im Kinofilm ist sie wieder 19. Ist es dein Fluch, ewig Teenies zu spielen?
Ich bin jetzt 26 und habe in vier Jahren, wenn ich 30 bin, auch keinen Bock mehr, deflorierte Teenager zu sein. Ich kann einfach keine Pubertät mehr durchleben. Andererseits ist es natürlich von Vorteil, so jung auszusehen und so ein Arrangement vom Spielalter zu haben. Aber Lena ist ja auch keine typisch 19-Jährige.

Bist du denn eine typisch 26-Jährige?
Es ist ganz komisch. Ich bin 26, sehe jünger aus, fühle mich älter. Irgendwann kriege ich es hin. Beruflich ist es von Vorteil, privat gibt es einfach Situationen, da will man einfach nicht mehr den Ausweis zeigen.

Musst du das noch ab und zu?
Ja, aber ich rede mir immer ein, lieber so, als dass irgendwelche Kioskverkäufer 13-Jährigen Wodka verkaufen. Es gibt da eine süße Geschichte. Ich habe gegenüber meiner Wohnung einen Kiosk, in dem ich immer meine Zigaretten oder Bier kaufe. Da sitzt seit vier Jahren derselbe Besitzer, ich muss immer noch meinen Ausweis zeigen. Irgendwann hab’ ich ihn darauf angesprochen und gefragt, ob es möglich wäre, dass er sich mein Gesicht merkt. Aber ich glaube, das ist einfach ein Spiel zwischen uns beiden geworden.

"Davon zahl’ ich die Miete, dass ich 'Scheiß Türke' sage"

Dann musstest du dich für die Dreharbeiten ja lange von dem Kiosk trennen. Ihr habt zwei Monate auf einer thailändischen Insel gedreht. Wie war das?
Ich war das erste Mal in Asien. Generell ist ein Auslandsdreh immer ein Abenteuer. Das hat so was von Klassenfahrt, weil alle in einem Resort wohnen und man ja nicht nur zusammen arbeitet, sondern auch abends mal essen, trinken oder feiern geht. Das Land ist schön, aber ich muss da jetzt auch nicht noch mal hin. Ich bin ein sehr mäkeliger Esser und kann nichts essen, was aus dem Meer kommt. Nach zwei Wochen dachte ich: Ach, jetzt hätte ich doch gern einen Kartoffelauflauf oder Schwarzbrot!

Du sollst dir angeblich die Nase gebrochen haben?!
Stimmt. Das war bei einem Stunt. Ich spiele ja nicht nur gerne körperlich, sondern, wenn es dann um Action geht, versuche ich immer – soweit es die Versicherung auch mitmacht –, das selbst zu machen. In einer Szene tritt Lena in eine Falle, wird hochgezogen und wird fast von zwei Speerwänden geplättet. Das war in einer Einstellung nicht gut abgesprochen und ich bin mit der Nase in acht Metern Höhe dagegengeknallt. Nasebrechen tut schon höllisch weh!

Man sieht im Film einiges an Haut von dir und es gibt intime Momente. Stört dich so was?
Ich hab’ jetzt keine Monstertitten und keine 90-60-90, aber ich bin zufrieden. Solche Szenen stehen vorher im Drehbuch. Das weiß man vorher. Eine Sexszene angezogen zu spielen, wär’ lächerlich. Es wäre was anderes, wenn ich mich für ein Männermagazin ausziehen und mit Schlafzimmerblick posen müsste. Da würde ich mich verkaufen. Aber das ist ja Lena und man sieht ja auch nicht sooo viel. Mensch, ich hab ‘ne Hühnerbrust, da ist nüscht zum Weggucken.

Die ist im Film auch Thema...
Immer, auch schon in der Serie. Aber das kratzt mich gar nicht. Da steht man doch drüber. Und, glaub mir, viele Männer mögen gar keine großen Brüste. Außerdem habe ich die schönsten Nippel (lacht). Ich glaube, Scham und Verstecken hat immer was mit sich selbst nicht akzeptieren zu tun, und das ist bei mir nicht der Fall.

Als Cem im Filmteaser auf deine Oberweite anspielt, entgegnest du "Scheiß Türke". Geht so was leicht über die Lippen?
Ja klar. Er ist kein Türke, er ist nicht scheiße, er ist die Rolle Cem, ich bin in dem Moment die Rolle Lena.

Aber über Deutschen hängt doch immer noch dieses Damoklesschwert, so was nicht einfach sagen zu dürfen...
Aber man weiß ja schon seit der Serie: Wir sind politisch unkorrekt, wir sind bissig und gemein und stellen alles überspitzt dar. Das ist es ja, was die Marke "Türkisch für Anfänger" ausmacht. Und ich sag’ auch zu meinem Vater "alter Sack". Das gilt doch nicht mehr für unsere Generation. Und zumal war das ja auch unser Job. Davon zahl’ ich die Miete, dass ich "Scheiß Türke" sage.


UNICUM Abi Filmtipp

Türkisch für Anfänger - der Kinofilm

Komödie, Deutschland 2012

Regie: Bora Dagtekin

Darsteller u.a.: Josefine Preuß, Elyas M'Barek, Katja Riemann

Artikel-Bewertung:

3.26 von 5 Sternen bei 116 Bewertungen.

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