Jonathan
Szene aus "Jonathan" | Foto: ©Jeremy Rouse
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18. Apr 2017

Nina Weidlich

Filme

Jonathan

Preisgekröntes Familiendrama: Ab dem 21. April auf DVD und Blu-ray

"Wenn du sterben willst, dann musst du das Leben zulassen"

Ein Schmetterling, der sich in einem Spinnennetz verheddert und in es in letzter Sekunde schafft, sich mit einem kräftigen Flügelschlag zu befreien. Eine Motte, die zu nah ans Licht fliegt und droht, an der heißen Lampe zu verglühen – "Jonathan" führt uns immer wieder eindrucksvoll vor Augen, dass die Grenzen zwischen Leben und Tod fließend sind. So auch bei Jonathans Vater Burghardt, der sich schwach und von seiner schweren Krebskrankheit gezeichnet  nur noch nach seinem letzten, erlösenden Atemzug sehnt.

Und obwohl Burghardt dem Tod zusehends näher ist als dem Leben, kann er sich nicht dazu durchringen, Jonathan die Wahrheit über den Tod seiner Mutter anzuvertrauen. Auch seine Tante Martha, die schon lange kein Wort mehr mit ihrem im Sterben liegenden Bruder spricht, bleibt Jonathan gegenüber verschlossen. Als plötzlich Burghardts alter Freund Ron auftaucht, verkompliziert sich die Situation noch weiter: Jonathan, der den Mann noch nie zuvor gesehen hat, sieht ihn als Störfaktor in dem ohnehin schon wackeligen Familienkonstrukt. Da ahnt er noch nicht, dass Ron ihm die Antworten liefern kann, nach denen er schon sein ganzes Leben lang sucht.

Leben ist schön – Sterben auch

Auf der einen Seite wird der Film beherrscht von dieser erdrückenden, allgegenwärtigen Last des Todes und der Lüge, die zwischen Jonathan und seiner Familie steht. Auf der anderen Seite ist da Jonathans Liebe zu Pflegerin Anka, die leichter und lebendiger nicht sein könnte. Sollte sie ihm ursprünglich nur helfen, den todkranken Burghardt zu versorgen, stellt sie letztendlich Jonathans gesamtes Leben auf den Kopf und ermutigt ihn, sich und seine Einstellung zum Leben zu überdenken. Anka begegnet dem Tod und anderen Tabuthemen mit einer erfrischenden Leichtigkeit – vielleicht auch aufgrund ihrer eigenen Nahtoderfahrung, die sie als etwas sehr Positives in Erinnerung hat. Der Melancholie zum Trotz scheint sie uns zurufen zu wollen: "Sei nicht so traurig! Das Leben ist wunderschön, aber der Tod, der ist es auch!"



Still und eindringlich

"Jonathan" schafft es, uns das Leben in seiner ganzen Vielfalt zu präsentieren: Verzweiflung  und Hoffnung, Liebe und Hass, Trauer und Freude – Gefühle, die in Wirklichkeit nicht immer so gegensätzlich sind, wie ihre Definition uns glauben machen will. Wer hier Spannung und Sensation erwartet, wird enttäuscht sein. Denn die große Botschaft kommt in "Jonathan" nicht laut und exzentrisch, sondern ganz leise und zurückhaltend daher, jedoch ohne dabei an Intensität einzubüßen.


UNICUM Kino-TippJonathan DVD-Cover

Jonathan

Drama, Deutschland 2016

Regie: Piotr J. Lewandowski

Darsteller u.a.: Jannis Niewöhner, André M. Hennicke, Julia Koschitz, Thomas Sarbacher, Barbara Auer

Verleih: farbfilm verleih

Heimkinostart: 21. April 2017

Mehr unter www.jonathan-derfilm.de

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