Mathe-Film-Check
Kann nur der "Rain Man" diese Aufgabe im Kopf lösen? | Foto: Thinkstock/Pinkypills
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20. Mai 2015

Christina Scholten

Filme

Der Mathe-Film-Check

Experten checken "mathematische" Hollywood-Hits

Rain Man (1988) | Mit u.a.: Dustin Hoffman & Tom Cruise

Die Szene:
Der Autist Ray löst innerhalb von Millisekunden schwierige Kopfrechen-Aufgaben: Was ist die Wurzel aus 2130 und was ist 4343 mal 1234? Kann jemand wirklich so schnell rechnen?

Das sagt der Experte:
"Es ist schon möglich, die Aufgaben sehr schnell zu lösen – aber alles unter 8 Sekunden ist unrealistisch. Obwohl die Multiplikationsaufgabe für Trainierte nicht besonders schwierig ist, weil sie den gemeinsamen Faktor 101 hat, auf den man schnell kommen kann. Bei der Wurzelaufgabe habe ich die ersten vier Zahlen (21,15) nach einer Sekunde, die nächste nach weiteren zwei Sekunden, die nächste nach weiteren drei, die nächste nach weiteren vier Sekunden Rain Man Mathe-Film-Checkusw. ausgerechnet. Aber für jede weitere danach braucht man mehr Zeit."

Dr. Dr. Gert Mittring ist neunmaliger Kopfrechenweltmeister und Spiegel-Bestseller-Autor ("Rechnen mit dem Weltmeister": Mathematik und Gedächtnistraining für den Alltag, erschienen bei Fischer Taschenbuch).


Moneyball (2011) | Mit u.a.: Brad Pitt &Philip Seymour Hoffman

Die Szene:
Anhand statistischer Berechnungen wird das Baseballteam der "Oakland Athletics" neu aufgestellt und damit zum Erfolg geführt. Funktioniert so eine Statistik im Sport?

Das sagt der Experte:
"Nach meiner Einschätzung ist eine auf statistische Daten und Methoden gestützte Zusammenstellung eines optimalen Teams nicht möglich. Selbst wenn man alle Merkmale kennt, die einen guten Spieler ausmachen, bleibt es offen, ob dieser Spieler in Zukunft und in einer neuen, per Computer zusammengestellten Mannschaft erfolgreich ist. Damit das computerbasierte "Statistikprinzip", in das Daten (Variablen) über potenzielle Spieler eingegeben werden und Entscheidungen herauskommen, funktionieren könnte, müsste es auch ein "Modell", also ein Gleichungssystem mit geschätzten Koeffizienten enthalten. Die Gleichungen müssten mehr oder Moneyballweniger 1 zu 1 von einem gewünschten Spielerfolg auf beobachtbare (messbare) Merkmale der Spieler schließen lassen. Dassein solches Gleichungssystem überhaupt existiert, geschweige denn konstruiert werden könnte, ist sehr fraglich."

Prof. Dr. Peter Michael von der Lippe ist Emeritus der Universität Duisburg-Essen im Fachgebiet Statistik.


A beautiful Mind – zwischen Genie und Wahnsinn (2001) | Mit u.a.: Russell Crowe & Ed Harris

Die Szene:
Der geniale Mathematiker Prof. Dr. John Forbes Nash wird von der amerikanischen Regierung dazu beauftragt, Codes der gegnerischen sowjetischen Regierung zu knacken. Am Ende stellt sich heraus, dass Nash schizophren ist und der Auftrag niemals stattgefunden hat. Ist es einem Menschen in der Realität möglich, solche Codes zu knacken?

Das sagt der Experte:
"Es gab zwar schon einige Codes, wie den Enigma Code von Allan Turing, die gelöst worden sind – das war tatsächlich annähernd genial. Aber ohne den Einsatz von Computern ist es generell überhaupt nicht möglich, solche Verschlüsselungen zu knacken, weil es viel zu komplex für das menschliche Gehirn ist. Es wird seit JahrzehntenA Beautiful Mind versucht, Verschlüsselungen so kompliziert zu wählen, dass sie auch mit Computerhilfe nicht gelöst werden können."

Prof. Dr. Erhard Behrends ist Professor für den Fachbereich Mathematik und Informatik an der FU Berlin mit den Interessensgebieten Funktionalanalysis und Wahrscheinlichkeitstheorie.


Pi – System im Chaos (1998) | Mit u.a.: Sean Gulette & Mark Margolis

Die Szene:
Mathematiker Maximilian Cohen erklärt direkt zu Anfang des Films: "1. Mathematik ist die Sprache der Natur. 2. Alles um uns herum lässt sich durch Zahlen wiedergeben und verstehen. 3. Stellt man die Zahlen eines beliebigen Systems graphisch dar, entstehen Muster. Folgerung: Überall in der Natur existieren Muster." Stimmt das?

Das sagt der Experte:
"Die Grundthese des Films ist: "Die Sprache der Natur ist die Mathematik." Dieses berühmte Zitat stammt von Galilei. Das Verblüffendste, was man erleben kann, ist, festzustellen, dass es wirklich so ist. Mathematiker überlegenPi sich abstrakte Dinge und trotzdem passen die mathematischen Modelle wie angegossen auf die Wirklichkeit. Natürlich ist es im Film ein bisschen übertrieben, es gibt viele Bereiche des persönlichen Lebens, die werden real nicht berechnet. Aber überall da, wo es wissenschaftlich wird, da sind die Zahlen dabei."

Prof. Dr. Dr. h. c. Albrecht Beutelspacher ist Direktor des Mathematikums Gießen.


21 (2008) | Mit u.a.: Kevin Spacey & Kate Bosworth

Die Szene:
Der Mathematikprofessor Micky Rosa will einer Gruppe von hochintelligenten Studenten am Massachusetts Institute of Technology das Kartenlesen beim Black Jack beibringen. Kann man das wirklich lernen?

Das sagt der Experte:
"Das Prinzip des Kartenzählens ist nicht unrealistisch, man muss dafür auch nicht zwangsläufig hochintelligent sein. Es basiert auf der Wahrscheinlichkeitsrechnung, man muss im Blick haben, welche Karten im Spiel sind und was für Blätter sich daraus ergeben können. Allerdings wissen die Casinobesitzer das auch, also wurden Gegenmaßnahmen ergriffen. In Europa wird nach jedem Spiel neu gemischt, deshalb gibt es 21keine vorteilhaften Kartenkonstellationen für den Spielbeginn mehr. Heute würde das dementsprechend nicht mehr funktionieren."

Prof. Dr. Björn Schmalfuß lehrt an der Friedrich-Schiller-Universität Jena an der Fakultät für Mathematik und Informatik am Hochstuhl für Stochastik.

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