Christian Ulmen Jonas
Christian Ulmen als Schüler Jonas | Foto: Delphi Filmverleih
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02. Jan 2012

Inka Bülling

Filme

Christian Ulmen ist "Jonas"

-ARCHIV-

Der Schauspieler im Interview

"Angst ist kein guter Lehrmeister"

UNICUM: Als ihr "Jonas" gedreht habt, war lediglich bekannt, dass ein Junge von einem Kamerateam begleitet wird. Wie reagierten die Schüler und Lehrer darauf?
Christian Ulmen: Es wussten natürlich die Schulleitung, die Elternvertreter und das Lehrerkollegium, dass ich das bin. Das hätten wir aus rechtlichen Gründen nicht anders machen können. Am ersten Tag haben sich alle noch etwas nach der Kamera verhalten, aber am zweiten Tag war das schon weg. Und da wir sieben Wochen am Stück gedreht haben, war irgendwann nicht mehr präsent, dass hier ein Film gedreht wurde.

Was war für dich die prägendste Situation des Films?
Als den Schülern, die eine Chemiearbeit verhauen haben, gesagt wurde: 'Was soll denn mal aus euch werden? Ihr wollt doch nicht von Hartz IV leben. Wenn ihr die Arbeit hier verkackt, geht’s sehr schnell Richtung Gosse.’ 

Aber ist es nicht gut, wenn Schüler wissen, dass es ohne Anstrengung in die Hose gehen kann?
In einem funktionierenden Umfeld, wo es wirklich Chancen gibt, ist es unnötig, Angst zu machen. Angst ist kein guter Lehrmeister. Mich hätte das fertiggemacht.

Gibt es etwas, was du heute anders machen würdest als zu deiner Schulzeit?
Nein, gar nichts. Ich hatte das große Glück, dass ich meine Naivität bewahren durfte und dass mir in der Schulzeit niemand diese Lust genommen hat. Ich habe nicht als Alibi oder aus Sicherheitsdenken BWL studiert, sondern mich nur auf das konzentriert, was ich gerne machen wollte. Und das war für mich der richtige Weg und auch das richtige Rezept.

"Ich war es leid, immer nur zu provozieren"

Nach dem Abitur hast du dich für Theologie eingeschrieben. Wie kam das?
Nach dem Abi habe ich Radio und Fernsehen gemacht und wollte auch in diesem Bereich bleiben, doch das war alles noch nicht konkret. So haben mich meine Eltern täglich genervt, dass ich irgendwas tun muss. Damit die ruhig sind, hab ich mich beinahe blind für etwas eingeschrieben. Glücklicherweise bekam ich dann eine Woche vor Studienbeginn das Angebot von MTV. Und dann hatte sich das mit dem Studium erledigt.

War Fernsehen schon immer dein Ziel?
Das hab ich während der Schulzeit schon gemacht. Ich habe den Unterricht damit verbracht, unterm Schreibtisch heimlich Sendeabläufe für Radio- und Fernsehsendungen im Offenen Kanal Hamburg zu schreiben. Das war mein "Fußballplatz". Und ich war mir auch immer sicher, dass ich das später zum Beruf mache.

Teil deines Berufes ist es oft auch, Menschen in Verlegenheit zu bringen.
Ich glaube, dass ich das als Wesenszug in mir trage. Ich habe aber jetzt bei "Jonas" komplett darauf verzichtet. Die Idee war diesmal, nicht das Umfeld zu manipulieren und zu provozieren, sondern vom Umfeld gelenkt zu werden: Ich muss Hausaufgaben machen, ein Musikheft mitbringen, muss an die Tafel, darf nicht rauchen und so weiter. Das ist ein großes Risiko, weil das auch nach hinten losgehen kann, aber ich war es auch leid, immer nur zu provozieren. Mittlerweile weiß ich auch, welche Knöpfe ich bei Leuten drücken muss, um Irritationen auszulösen. Ich habe schon so viele peinliche Momente kreiert, dass es mich fast schon langweilt, und fand es unfassbar spannend, selber derjenige zu sein, der leidet und sich schämen muss.

In welchen Situationen leidet denn ein Christian Ulmen?
Was ich an meinem Beruf hasse, ist, fotografiert zu werden. Das ist das Anstrengendste und Nervigste, was ich kenne. Und am allerschlimmsten sind Fotografen, die einen inszenieren. Die bringen dann noch Requisiten mit, eine Gießkanne oder einen Hammer, mit dem ich mir auf den Kopf hauen soll. Lustige Fotos sind das Schlimmste, was es gibt.

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