Bei Social Media Klappe halten
Erst denken, dann posten | Foto: Thinkstock/kieferpix
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20. Mai 2016

Marc Wiegand

Apps & Internet

Social Media: Einfach Klappe halten!

Die wichtigsten Regeln

Social Media-Kommentar führt zur Kündigung

Und direkt war der Ausbildungsplatz pfutsch: Die Kündigung eines österreichischen Porsche-Azubis, der auf Facebook gegen Flüchtlinge gehetzt hat, zeigt, wie krass sich Fehlverhalten in den sozialen Medien auswirken kann. Der Lehrling hatte einen Facebook-Beitrag kommentiert und dabei die Verbrennung von Flüchtlingen gefordert, woraufhin sein Arbeitgeber umgehend reagierte und den jungen Mann feuerte.

Doch nicht nur bei solchen schwerwiegenden Fällen können die Folgen drastisch sein. Auch kleinere Fehltritte haben mitunter beachtliche Konsequenzen – und sind längst keine Einzelfälle mehr. "Die Entlassungen, die aufgrund von Facebook-Aktivitäten ausgesprochen werden, sind noch keine Klassiker wie etwa die Kündigung wegen häufigen Zuspätkommens, aber sie haben definitiv keinen Seltenheitswert", betont die Fachanwältin für Arbeitsrecht, Antje Burmester.

Privatsphäre-Einstellungen beachten

Antje Burmeister | Foto: PrivatSie rät Auszubildenden wie Angestellten grundsätzlich zu einem behutsamen Umgang mit den sozialen Medien und zu einer regelmäßigen Prüfung der eigenen Privatsphäre-Einstellungen. Den oft zitierten Satz "Das Netz vergisst nie" sollte man dabei immer im Hinterkopf haben. Denn was einmal im Netz veröffentlicht wurde, lässt sich nicht so einfach wieder spurlos beseitigen.

Laut einer Studie der Landesanstalt für Medien (LfM) in Nordrhein-Westfalen unterschätzen viele Jugendliche und junge Erwachsene außerdem wie schnell und wie weit sich Inhalte über die sozialen Medien verbreiten können. "Durch die mobile Kommunikation mit Diensten wie WhatsApp ist alles noch dynamischer geworden. Mit drei kleinen Daumen-Bewegungen habe ich ein Bild verschickt und gebe dann völlig die Kontrolle darüber ab. Das ist vielen gar nicht so bewusst", sagt klicksafe-Medienpädagoge Martin Müsgens von der LfM.

Rückhol-Aktion unmöglich

Martin Müsgens | Foto: PrivatDenn während sich bei Facebook ein problematischer Beitrag zumindest noch über den Anbieter löschen lässt (wenn er nicht vorab von anderen Nutzern kopiert wurde), befinden sich Nachrichten oder Fotos, die beispielsweise per WhatsApp geteilt wurden, auch gegenständlich auf dem Smartphone jedes Empfängers.

"Die kann ich in den allermeisten Fällen aus eigener Kraft nicht wieder zurückholen", so Müsgens. Er empfiehlt daher, vor jedem spontanen Bild- oder Textversand eine Sekunde des Reflektierens einzulegen: Kann das Bild oder die Äußerung mir oder jemand anderem schaden oder in anderen Kontexten missverstanden werden?

Insbesondere negative Meinungsäußerungen über den Arbeitgeber können schnell zu einem Eigentor werden, wie Arbeitsrechtlerin Antje Burmester betont. "Wie im realen Leben ist es nicht einfach, eine Grenze zwischen einer freien Meinungsäußerung und einer ehrverletzenden Beleidigung zu ziehen. Und in den meisten Fällen legen die Richter die Definition einer Meinungsäußerung auch sehr großzügig aus", erklärt die Expertin, benennt zugleich jedoch ein großes ABER: Eine Beleidigung in einem öffentlichen Beitrag wird genauso wie eine direkt ausgesprochene Beleidigung bewertet.

Das bedeutet: Wenn die Richter einmal den Straftatbestand einer Beleidigung sehen, dann hat dies in den meisten Fällen auch direkt weitreichende Konsequenzen und kann bis zur Kündigung führen. "Diese Tragweite unterschätzen viele", so Burmester. Daher formuliert auch Medienpädagoge Martin Müsgens den zentralen Ratschlag: "Alles, was ich jemandem nicht ins Gesicht sagen würde, dass sollte ich auch niemals auf Facebook oder sonst wo in den sozialen Medien kundtun."

Vorsicht beim Liken

Ähnlich brisant wie bei einer Beleidigung kann es übrigens werden, wenn der "Gefällt mir"-Button unbedacht geklickt wird. "Da wird dann die Zustimmung per Button genauso wie eine eigene beleidigende Aussage ausgelegt", warnt Burmester und verweist auf einen konkreten Fall, bei dem ein Mann den Chef seiner Frau in einem Facebook-Beitrag mit einem Schweinsvergleich beleidigte. Als seine Frau diesen dann mit einem "Gefällt mir" würdigte, läutete sie quasi ihre eigene Entlassung ein.

Wie der eingangs geschilderte Fall des Porsche-Azubis zeigt, müssen sich Beiträge in sozialen Netzwerken jedoch gar nicht direkt auf Vorgesetzte und Kollegen beziehen, um den Verfasser beruflich in die Bredouille zu bringen. "Für die rein arbeitsrechtlichen Konsequenzen ist dabei der Rückbezug zum Arbeitgeber entscheidend", erklärt Antje Burmester. Ergo: Wenn sich jemand bei Facebook als Mitarbeiter eines Unternehmens zu erkennen gibt, sich aber ganz konträr zu dessen Leitbild verhält, begibt er sich auf dünnes Eis.

Nicht ganz so unmittelbar sind die Konsequenzen, wenn ein Azubi etwa ein rauschendes Party-Bild postet und dann am nächsten Tag völlig übermüdet eine sehr mäßige Arbeitsleistung abliefert. "Auch wenn ich wegen einer Fußgelenksverletzung arbeitsunfähig geschrieben wurde, dann aber auf High Heels tanzend auf dem Disko-Bild zu sehen bin, muss das arbeitsrechtlich nicht unmittelbar relevant werden. Aber es wirft natürlich sofort unangenehme Fragen auf", meint die Arbeitsrechtlerin.

Personaler checken Profile

Abiturienten, die sich in absehbarer Zeit bei Unternehmen bewerben wollen, sollten ihre Beiträge in sozialen Netzwerken ebenfalls behutsam gestalten. Schließlich ist es längst Standard, dass Personalverantwortliche die Profile von ihren Bewerbern checken.

In diesem Zusammenhang rät Müsgens: "Neben absolut inakzeptablen Sachen wie beispielsweise Hetzkommentaren, können dabei auch andere Themen bitter aufstoßen. Durch einen Zeitverzug, fehlendes Hintergrundwissen oder nicht erkannte Ironie können Beiträge schnell falsch gedeutet und zum Nachteil für den Verfasser werden." Verstärkend kommt nach Müsgens hinzu, dass gerade skurrile Beiträge in den sozialen Medien die größte Aufmerksamkeit finden und sich besonders rasant verbreiten. "Dieser Verlockung sollte man widerstehen."

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