Pokemon Go Datenschutz
So funktioniert der Daten-Striptease bei Pokémon Go | Foto:Thinkstock/LDProd
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25. Jul 2016

Marc Wiegand

Zündstoff

Vorsicht Datenklau: So werden Pokémon Go-Spieler ausspioniert!

Bewegungsprofile und 3D-Umgebungsbilder werden möglich

Bei Pokémon Go wird dein Standort permanent ermittelt

Wer Pokémon Go spielt, gewährt ungewollte Einblicke in sein Privatleben. Laut dem Informatik-Professor Robert Bösnecker könnten mit Hilfe der permanenten Standortermittlung und der offenen Internetverbindung genaue Bewegungsprofile der Spieler und – bei angeschalteter Kamera – sogar dreidimensionale Bilder ihrer persönlichen Umgebung angefertigt werden. Dadurch rückten nun ganz neue Überwachungsszenarien in den Bereich des Möglichen.

"Die meisten Spieler haben offenkundig nicht begriffen, welche Tragweite es hat, wenn sie die Vorgaben von Pokémon Go ungelesen akzeptieren. Gegen Google Street View gab es noch hier und da Widerstand. Jetzt sind wir einen Schritt weiter: Pokémon-Spieler gewähren ganz freiwillig einen Blick in ihre Welt. Was sonst nur Freunden und Bekannten vorbehalten ist, wird jetzt auch für die Spiele-Anbieter sichtbar", sagt der Hochschulprofessor für Elektrotechnik, Medientechnik und Informatik an der Technischen Hochschule Deggendorf.

Handy-Ortung spielerisch weiterentwickelt

Informatik-Professor Robert BösneckerWas genau passiert bei Pokémon Go? "Die Smartphones der Spieler tauschen mit den Servern des Spiele-Anbieters permanent präzise Benutzerdaten aus. Durch den Standort ist beispielsweise klar, wo genau sich der Spieler befindet und wohin er sich bewegt. Das ist im Prinzip die 'spielerische' Weiterentwicklung der bereits bekannten Handy-Ortung", so der zweitplatzierte "Professor des Jahres 2015" in der Kategorie Ingenieurswissenschaften/Informatik.

Noch mehr würden diejenigen Spieler preisgeben, die etwa bei eingeschalteter Kamera in den heimischen vier Wänden auf Monsterjagd gehen. Denn während der Jagd können Bilder ihrer Umgebung gemacht werden, die zu einer dreidimensionalen Ansicht zusammengefügt werden könnten. "Bereits seit einigen Jahren gibt es 3D-Software, die aus Teilbildern eines Objektes ein 3-D-Modell entwickeln kann. Das stammt ursprünglich aus der Geo-Informatik.

Wenn man dies jetzt geschickt anpasst und mit Pokémon-Daten verknüpft, haben wir plötzlich eine neue Dimension der Transparenz erreicht", sagt Bösnecker und fügt an: "Ich weiß dann genau, wo bei Max Mustermann der Fernseher steht und wie viele Personen tatsächlich in der Wohnung schlafen. Das eröffnet ganz andere Möglichkeiten der Überwachung."

Neue Möglichkeiten nicht verteufeln

Dem Hochschullehrer geht es aber nach eigener Aussage nicht darum, diese neuen technischen Möglichkeiten zu verteufeln. Lediglich möchte er bei den jungen Nutzern ein Bewusstsein dafür schaffen, welche Tragweite das Spielen von AR-Games wie Pokémon Go haben kann.

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