Konrad Kürbis
Konrad Kürbis bei seiner Forschungsarbeit | Foto: Privat
Autorenbild

01. Sep 2011

Gloria Wilhelm

News

Konrad Kürbis und die Spurrillenforschung

-ARCHIV-

Interview mit einem Nachwuchsforscher

Im Einsatz für den Naturschutzbund Deutschland

UNICUM: Konrad, du hast nicht nur 2011 den 2. Platz in der Kategorie Biologie auf Bundesebene bei "Jugend forscht" gewonnen, sondern wurdest auch zum "Tag der Talente" eingeladen. Wie bist du auf dein Talent aufmerksam geworden?
Konrad Kürbis: Ich war früher mit meinen Eltern oft wandern und dabei ist mir aufgefallen, dass sogar in den Fahrspurrillen Leben existiert. Auch die Tiere im Gartenteich meines Opas haben mich schon immer fasziniert. Bei meiner Forschung um die Fahrspurrillen von wenig frequentierten Feld- und Waldwirtschaftswegen, wollte ich herausfinden, ob und inwieweit diese als Lebens- und Reproduktionsraum infrage kommen. Außerdem wollte ich die Menschen darauf aufmerksam machen, dass diese "Kleinstbiotope" nicht nur interessant, sondern auch extrem nützlich sind. Ich glaube, dass es ohne sie weit weniger Amphibien geben würde.

Machst du dich auch auf politischer Ebene für die Beachtung dieser Kleinstbiotope stark?
Ich bin Mitglied im Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU), betreue Krötenzäune und gebe seit zwei Jahren Amphibienführungen. Ich demonstriere nicht im klassischen Sinne, aber die Menschen sollten wissen, dass durch geschotterte oder asphaltierte Wege und Straßen vielen Tieren der Lebens- oder Reproduktionsraum genommen wird. Selbst wenn sich dort Pfützen bilden, fehlen die Nährstoffe und andere Gegebenheiten, damit Amphibien sich entwickeln könnten. Die Spurrillen und andere Pfützen auf Feld- und Waldwegen sind wichtig für den Amphibienerhalt. Politisch aktiv kann man sich mit solchen Themen eher schlecht behaupten, aber ich denke, dass ich mit meinen Arbeiten in gewisser Weise die Menschen zum Nachdenken anregen kann. Ich demonstriere so auf meine Weise.

Große Leidenschaft für Amphibien

Was sagen deine Freunde zu deinem Hobby?
Da ich mich schon seit ich denken kann mit Amphibien befasse, kennen mich die Freunde mit denen ich aufgewachsen bin, nur so. Sie mussten sich nicht erst daran gewöhnen. Wenn ich neue Menschen kennen lerne, werde ich anfangs meist belächelt. Aber wenn sie merken, dass ich eine Wissenschaft, wenn auch nur als Hobby, betreibe, interessieren die sich meistens sogar für meine Arbeit. Hin und wieder nehme ich auch Freunde mit und zeige ihnen was ich so mache. Das passiert aber eher selten.

Wie kamst du auf die Idee, deine Forschung nicht nur praktisch auszuüben, sondern auch eine Arbeit darüber zu befassen? Die meisten Jungs in deinem Alter sind froh über jeden Aufsatz den sie NICHT schreiben müssen.
Ehrlich gesagt hatte ich da einfach Lust zu. Es gab da niemanden, der gesagt hat "Schreib doch mal eine Arbeit darüber". Ich wollte einfach meine Forschung verschriftlichen.

Wie sieht dein Plan für die Zukunft aus?
Nachdem ich meinen Zivildienst abgeschlossen habe, möchte ich studieren. Was genau, weiß ich noch nicht. Es wird aber in jedem Fall in Richtung Biologie gehen – entweder Mikrobiologie oder Naturschutz. Leider sieht es bei diesen Fächern mit den Jobaussichten nicht so rosig aus, aber ich möchte trotzdem versuchen, dort Fuß zu fassen.

Wirst du deine aktuellen Projekte auch an der Uni fortführen?
Ich hoffe ich kann meine Projekte mit der Uni vereinen und vielleicht sogar dort ausweiten. Momentan arbeite ich an vier verschiedenen Projekten. Das eine ist die Forschung an Spurrillen, dann führe ich gerade ein Monitoring an Amphibien und Reptilien durch und ich untersuche einen besonderen Hautpilz, der für Amphibien tödlich sein kann. In meinem vierten Projekt beobachte ich die Population von Blindschleichen in einem Ameisenhaufen.

"Ich bin nicht der einzige Spinner"

Das sind ja schon eher ausgefallene Projekte. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat dich für den "Tag der Talente" eingeladen. Was erhoffst du dir von dieser Veranstaltung?
Zum einen hoffe ich natürlich nützliche Informationen zu erhalten, auch durch den Workshop, an dem ich teilnehmen werde. Aber am meisten freue ich mich darauf Gleichgesinnte zu treffen. Jeder von uns ist ja auf seinem Gebiet ein Spinner und wir werden fast alle viel belächelt. Es wird eine tolle Erfahrung sein, zu sehen, dass ich nicht der einzige Spinner bin. Sich austauschen und unter sich "normal" zu sein, wird bestimmt cool sein.

Du wirkst aber auch so "normal". Du hast aber mit Sicherheit auch Hobbys, die du besser mit deinen nicht biologisch interessierten Freunden teilen kannst, oder?
Ja, natürlich. Ich fahre gerne mit meinem Fahrrad, übe mich im Fotografieren und spiele in einer Band Schlagzeug. Aber unsere Band ist auch etwas verrückt, denn sie besteht aus zwei E-Gitarristen, einem Schlagzeuger, einer Orgel und hin und wieder ist auch ein Fagott dabei. Wir spielen Irish Folk und mittelalterliche Musik.

Woher kommt denn eigentlich deine Liebe zu Amphibien?
Ich würde es einen "frühkindlichen Schaden" nennen. Ich hab als Kind einfach extrem viel mit Amphibien zu tun gehabt und das beibehalten.

Artikel-Bewertung:

3.26 von 5 Sternen bei 90 Bewertungen.

Passende Artikel

Deine Meinung: