Fußballer werden
Der Traum: Vom Bolzplatz ins große Stadion | Foto: Thinkstock/Ryan McVay
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07. Mär 2013

Birk Grüling

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Fußballer werden

-ARCHIV-

Auf dem Weg zum Bundesliga-Profi

Das Ziel: Als Profi für Werder Bremen spielen

Von seinem Zimmer ins Bremer Weserstadion braucht Jakob Zwerschke nur wenige Schritte. Von hier oben auf der Tribüne kann er auf seinen Traum runterblicken. "Natürlich ist es mein Ziel, für Werder Bremen in der Bundesliga zu spielen", lacht Jakob und schaut etwas versonnen auf den leeren Rasen. Die ersten Hürden hat der 18-Jährige genommen, er gehört zum Kader des U-19-Bundesligateams, ist dort Leistungsträger und stand die meiste Zeit der Saison auf dem Platz.

Start einer Fußball-Karriere

Begonnen hat seine Karriere wie die von Millionen anderer Fußballer. Angefixt durch die Leidenschaft des Bruders, trat Jakob mit fünf Jahren das erste Mal gegen den Ball. Seinem Heimatverein in Buckow blieb er in den ersten Jugendjahren noch treu, auch wenn sich sein großes Talent schnell abzeichnete. "Ich habe meistens eine Altersklasse höher gespielt und stand immer in Konkurrenz zu meinem großen Bruder. Um besser zu sein, habe ich oft alleine nach dem Training weiter geübt", erzählt Jakob. Selbst ein Knorpelschaden im Knie und eine halbjährige Fußballpause konnten ihn nicht aufhalten, trotz des Trainingsrückstandes gehört er immer noch zu den hoffnungsvollsten Talenten.

Mit 15 Jahren verließ er seine Heimat und wechselte auf ein Sportinternat in Frankfurt/Oder. Durch gute Leistungen in der U-17-Mannschaft von Energie Cottbus und der Landesauswahl Brandenburg wurde Werder Bremen auf den Abwehrspieler aufmerksam und verpflichtete Jakob vor drei Jahren.

Leben im Fußball-Internat

Sein heutiger Alltag im Internat des Bundesligisten ist straff organisiert. Nach dem gemeinsamen Frühstück geht es entweder direkt in die Schule oder zwei Mal die Woche zum Frühtraining. Jakob macht neben dem Fußball gerade Abitur an der Eliteschule des Fußballs in Bremen-Obervieland, Deutsch und Sport sind seine Leistungskurse.

Nach der Schule stehen dann weitere Trainingseinheiten und die Hausaufgaben auf dem Plan. "Wir wollen, dass unsere Spieler einen Abschluss machen, entweder das Abitur oder eben eine Ausbildung", erklärt Dr. Uwe Harttgen, Direktor des Bremer Leistungszentrums. Dafür bekommen Jakob und seine Mitspieler Unterstützung vom Verein, so gibt es im Internat eine regelmäßige Hausaufgabenhilfe.

Für die Verantwortlichen gehören die schulischen und fußballerischen Leistungen eng zusammen. "Wir haben mit unserem Modell gute Erfahrungen gemacht. Lernen hat viel mit Disziplin zu tun und die braucht man auch im Fußball."

Das muss ein Profi-Fußballer mitbringen

Doch Disziplin ist nicht die einzige wichtige Eigenschaft für einen zukünftigen Bundesligakicker. "Die Liste der Voraussetzungen ist lang: Neugier, Leidenschaft, gute Physis, natürlich Talent, aber auch Teamfähigkeit und letztendlich Glück", sagt Harttgen.

Für ihn ist Fußball deshalb auch eine Art Lebensschule für die Talente. "Sie müssen ihren Alltag selbst organisieren und lernen so Verantwortung zu übernehmen. Durch den frühen Auszug von Zuhause sind sie selbstständig und können mit Geld umgehen." Und läuft es trotzdem mal nicht ganz rund, gibt es ein Team aus Pädagogen, das den Nachwuchskickern zur Seite steht.

Der Sport bestimmt den Alltag

Doch natürlich bedeutet Fußball auf diesem Niveau auch Abstriche in anderen Lebensbereichen. Schule, sieben Trainingseinheiten pro Woche und Junioren-Bundesliga am Wochenende – Zeit für Freunde oder Hobbys bleibt wenig. Auch die Familie sieht Jakob meistens nur in den Sommerferien und der spielfreien Zeit im Winter. Grund, zu hadern, gibt es für ihn trotzdem nicht. "Fußball ist mein großer Traum. Warum sollte ich mich beschweren?", zuckt er die Schultern.

Im Alltag gibt es natürlich auch Phasen, in denen der innere Schweinehund besonders groß ist und man sich zum Training quält. Jakobs Nerven werden gerade auf ganz andere Weise beansprucht. Ihn plagt eine hartnäckige Schambein-Entzündung. Statt auf dem Rasen zu stehen, muss er zur Physiotherapie und fleißig Krafttraining machen. "Das ist natürlich eine schwere Situation. Aber mehr als ruhig bleiben kann ich jetzt nicht. Wenn ich zu früh wieder auf dem Platz stehe, riskiere ich nur eine schwere Verletzung", sagt er.

Fit werden, Abitur machen, Bundesliga spielen

Ein halbes Jahr hat Jakob noch, um sich für die Profis anzubieten, mit etwas Glück wird ein Platz in der Verteidigung der Profimannschaft frei. Einige Male war er bereits im Perspektivtraining bei den Werder-Profis, eine große Chance, um sich bei Trainer Thomas Schaaf vorzustellen. "Von der Professionalität dieser Spieler kann man natürlich viel lernen", sagt er.

Sollte Jakob wie die meisten seiner Teamkameraden den Sprung aber nicht schaffen, dann läuft sein Vertrag aus und er muss sich einen neuen Verein suchen. "Wir können natürlich keine Quote nennen, aber in der ersten bis vierten Liga spielen viele unserer ehemaligen Talente", will sich Leistungszentrumsdirektor Harttgen nicht festlegen.

Zu große Sorgen um die Zukunft macht sich Jakob nicht. "Ich möchte erst mal fit werden und dann in der Rückrunde gut spielen. Im Frühjahr steht außerdem mein Abitur an", sagt er und verabschiedet sich. Gleich steht noch einen Kontrolltermin beim Arzt an, vielleicht bekommt er endlich grünes Licht für das Mannschaftstraining.


Die bisherige Karriere von Jakob Zwerschke

  • 1999-2005 Jugendmannschaften FC Concordia Buckow/Waldsieversdorf
  • 2005-2007 Frankfurter FC Viktoria 91
  • 2007-2010 Energie Cottbus
  • 2010-2013 Werder Bremen
  • seit 2013 1. FC Nürnberg in der U21-Mannschaft (Regionalliga)

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