Für das Abitur lernen
Wie und wo du lernst, ist entscheidend fürs Abitur | Foto: Thinkstock/gpointstudio
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26. Mai 2015

Ann-Christin Kieter

Abitur lernen

Effektiv fürs Abi lernen

So kommst du gut durch die Prüfungen!


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Rechtzeitige Vorbereitung

Sicher können Risikofreudige einfach versuchen, in der Nacht vor der Prüfung noch eben das nötige Wissen in den Kopf zu prügeln. "Mut zur Lücke" lautet für viele die Devise. Sinnvoller und vor allem stressfreier ist jedoch, so früh wie möglich mit der Vorbereitung zu beginnen.

Für Lerncoach Iris Komarek aus München beträgt die ideale Vorbereitungszeit sechs Monate: "Dann kann man genau die Wiederholungsfrequenz einhalten, durch die das Gelernte gesichert ins Langzeitgedächtnis kommt und dort bleibt. Am effektivsten ist es, wenn man genau dann den Lernstoff wiederholt, wenn man gerade dabei ist, ihn wieder zu vergessen – was ganz normal ist. Also nach ca. 20-30 Minuten, nach einem Tag, nach einer Woche, nach einem Monat und dann nach sechs Monaten."

1. Lernregel: Am besten 6 Monate vor den Prüfungen mit dem Lernen beginnen. Lernstoff in regelmäßigen Abständen wiederholen.


Erstellung eines Lernplans

Damit du die Zeit vernünftig einteilen kannst, empfiehlt sich die Erstellung eines Lernplans. Dazu müsstest du dir einen Überblick über die gesamten Themen verschaffen, und dir genau überlegen, wie viel du an einem Tag meistern kannst und willst. So kannst du ausrechnen, wann du loslegen musst.

Die genaue Einhaltung eines zuvor erstellten Plans hilft dabei, sich jeden Tag zu motivieren. Allerdings musst du auch flexibel reagieren können, falls einmal spontan etwas dazwischen kommt. Lasse dir auch genug Freiräume, so dass du auf nichts verzichten musst, was dir wichtig ist. Gerade Sport hilft dabei, abzuschalten und den Kopf frei zu bekommen. Für dein regelmäßiges Training solltest du dir also auf jeden Fall Zeit nehmen.

2. Lernregel: Lege in einem Lernplan fest, was du wann und wie lange lernen willst. Denkt daran: Pausen sind wichtig – mache zwischendurch einen Spaziergang oder Sport!


Das ideale Tagespensum

Damit du einen Lernplan erstellen kannst, musst du realistisch abschätzen, wie viel du an einem Tag schaffen kannst. Dabei kommt es immer auf eine gewisse Tagesform an. Solange du noch den Unterricht besuchen musst, sind maximal zwei Stunden am Nachmittag bzw. Abend realistisch. Sobald du den letzten Schultag hinter dich hast, kannst du wesentlich mehr Zeit einplanen.

Allerdings lässt sich der Kopf nicht unbegrenzt mit Wissen füllen. Irgendwann wirst du merken, dass du an einem Punkt ankommst, an dem die Konzentration nachlässt und sich Müdigkeit breit macht. Mutest du dir dauerhaft zu viel zu, macht der Körper schlapp. Erste Anzeichen können Kopfschmerzen, ein flaues Gefühl im Magen oder auch Verspannungen sein. Vorbeugen kannst du mit regelmäßigen Pausen. Manchmal wirkt schon ein kleiner Spaziergang Wunder. Um dauerhaft Stress abzubauen, empfehlen sich Entspannungsmethoden wie Yoga oder autogenes Training. Die dort erlernten Techniken kannst du später sicher auch im Studium oder in der Ausbildung gut gebrauchen. 

3. Lernregel: Während der Unterrichtszeit solltest du max. 2 Stunden für das Abitur lernen, nach dem letzten Schultag darfst du mehr Zeit einplanen!


Die richtige Tageszeit

Die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit schwankt im Laufe des Tages stark. Neurobiologen haben herausgefunden, dass die höchste Leistungsfähigkeit zwischen neun und elf Uhr gegeben ist. Zuvor hat der Körper noch mit morgendlichen Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Um die Mittagszeit fällt die Leistungskurve dann rapide ab. Erst am Nachmittag geht es wieder bergauf. In der Zeit zwischen 16 und 18 Uhr erlebst du in der Regel ein weiteres Leistungshoch. Spätestens ab 21 Uhr lässt die Aufnahmebereitschaft deutlich nach.

Idealerweise beobachtest du dich eine Weile, bevor du deinen Abi-Lernplan erstellst. Das kannst du prima in normalen Klausurphasen ausprobieren. Mache dir Notizen, wann du dich besonders fit fühlst und teile den Tagesablauf in leistungsstärkere und -schwächere Phasen. Letztere kannst du dann gut für die schönen Dinge nutzen. Wenn es hart auf hart kommt, und du gegen Ende doch in Zeitnot gerätst, solltest du diese Leistungstiefs dann eher zur Wiederholung des bereits gelernten Materials nehmen statt dir neue Inhalte aufzuzwingen.

4. Lernregel: Von 9-11 Uhr und 16-18 Uhr bist du am leistungsfähigsten. Doch jeder hat einen anderen Rhythmus – mache dir klar, wann du am besten lernen kannst und nutze die Zeit!


Behandlung der Themen

Man neigt schnell dazu, sich zuerst mit den Inhalten zu befassen, die einem Spaß machen und nicht so kompliziert sind. Das Unangenehme wird dann gerne aufgeschoben. Das gilt sowohl für einzelne Themen als auch für ganze Fächer. Diese Verdrängungstaktik ist sicherlich verständlich, aber nicht sinnvoll. Schließlich verpulverst du so viel Energie für Dinge, die dir ohnehin leicht fallen. Dabei solltest du die volle Konzentration lieber für Inhalte aufheben, mit denen du auf Kriegsfuß standest.

Allerdings ist es für deine Motivation auch hilfreich, wenn du regelmäßig Erfolgserlebnisse verzeichnen kannst, und nicht schon am Start eures Lernmarathons verzweifelst. Wenn du deinen Lernplan erstellst, achte also darauf, sowohl die Fächer als auch die einzelnen Inhalte abzuwechseln. Die gleiche Strategie kannst du übrigens auch schon die ganze Schulzeit über anwenden, zum Beispiel wenn du die Hausaufgaben für den nächsten Tag erledigst. Statt das Schwierige bis zuletzt liegen zu lassen, lieber einfach mal die Reihenfolge auslosen.

5. Lernregel: In deinem Lernplan sollten sich Themen und Inhalte abwechseln. Lose am besten die Reihenfolge aus. Das Aufschieben von unliebsamen Themen hilft dir nicht weiter!


Umgang mit den Materialien

Wichtige Voraussetzung fürs Lernen sind vollständige Unterlagen. Denke also daran, rechtzeitig deine Mitschriften zu überprüfen. Wenn dir etwas fehlt, kannst du es problemlos von Mitschülern kopieren. Achte auch darauf, dass die Seiten sauber und ordentlich gestaltet sind, dann nimmst du diese gleich viel lieber in die Hand als olle Schmierzettel.

Am besten bringst du deine Mitschriften aus dem Unterricht zu Hause noch einmal in eine ordentliche Form. Durch das Abschreiben vertieft sich der Stoff gleich und es sammelt sich nicht so viel Arbeit für die "heiße Phase" an. Natürlich erfordert das anfangs eine Menge Disziplin, aber am Ende wirst du schnell merken, dass es sich schnell auszahlt.

Damit der Lernstoff leichter verinnerlicht werden kann, empfiehlt Iris Komarek eine abwechslungsreiche Gestaltung: "Ein guter Test ist, ein paar Seiten des Skripts aus etwa drei Metern Entfernung zu betrachten. Sehen alle gleich aus, dann liegt noch viel Potenzial drinnen. Also dann bunte Stifte zur Hand nehmen und Texte mit kleinen Zeichnungen aufpeppen!"

6. Lernregel: Achte auf deine Unterlagen und schreibe im Unterricht ordentlich mit! Abschriften vertiefen den Stoff, selbstgestaltete Materialien machen mehr Lust auf's Lernen!


Weitere Hilfsmittel

Die Auswahl an Lernhilfen fürs Abitur ist riesig. Im Gegensatz zu den dicken Schulbüchern handelt es sich dabei eher um kompakte Ratgeber, die das nötige Prüfungswissen auf den Punkt bringen. Die Frage ist, ob sich eine Anschaffung von zusätzlichem Material überhaupt lohnt.

Iris Komarek hält Bücher mit den Abiturfragen der letzen Jahre für sinnvoll: "Dadurch kann man sich sehr gezielt vorbereiten und freundet sich schon früh mit der Art der Fragen an. Übrigens sollte man sich vor dem ersten Lernen mit den Abi-Fragen auseinandersetzen und sie nicht – wie die Meisten es tun – später als Kontrolle nutzen. Nur dann können sie als Orientierung und Zielvorgabe beim Lernen genutzt werden!"

Auch das Internet könne man nutzen, wenn man auf ganz gezielte Fragestellungen Antworten sucht. Aber: "Ewiges Recherchieren kann ein unglaublicher Zeitfresser sein und vom eigentlichen Lernweg abbringen", warnt Iris Komarek.

7. Lernregel: Lernhilfen in Bücherform machen Sinn – stundenlange Recherche im Internet raubt oft nur Zeit.


Die perfekte Lernumgebung

Um erfolgreich lernen zu können, solltest du dafür sorgen, dass du dich in der Lernumgebung wohl fühlst. Wenn dich absolute Stille eher beunruhigt, lasse ruhig im Hintergrund etwas Musik laufen, auch wenn oft empfohlen wird, für Ruhe zu sorgen. Grundsätzlich ist erlaubt, was dir gut tut.

Gleiches gilt für den Ort des Geschehens. Lernst du an deinem Schreibtisch, solltest du ihn von sämtlichen Dingen befreien, die dich ablenken könnten. Ein ordentlicher Arbeitsplatz wirkt sich übrigens auch positiv auf den Kopf aus. Sowohl Chaos als auch Strukturen können sich nämlich aufs Gehirn übertragen.

Trotzdem ist es auch in Ordnung, wenn du dich lieber draußen oder im Bett aufhalten willst: "Das Gehirn ist im Liegen genauso leistungsstark wie im Sitzen", weiß Iris Komarek. Sie schlägt sogar vor, mit Lernkarten einen Spaziergang zu machen oder auf dem Hometrainer zu radeln, "denn in Bewegung lernt das Gehirn am besten!"

8. Lernregel: Sorge für Ordnung an deinem Schreibtisch und schaffe dir die Atmosphäre, in der du am besten lernen kannst!


Brainfood – Nahrung fürs Gehirn

Wer kennt sie nicht, die Werbung, in der sich ein Schulkind ein Stück Traubenzucker einwirft und dann in Windeseile eine Matheaufgabe löst. Aber kann dieses Wundermittel wirklich die Denkleistung steigern? Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät davon ab: "Es ist ein gängiges Vorurteil, dass Taubenzucker der Konzentration hilft. Dabei wird allenfalls der Blutzuckerspiegel kurzzeitig gepusht."

Stattdessen rät sie zu einer ausgewogenen Ernährung – und zwar Tag für Tag und nicht nur in lernintensiveren Phasen. Dazu gehören unter anderem ein bewusster Umgang mit Kohlenhydraten und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Die vollständigen Ernährungstipps findest du in den zehn goldenen Regeln der DGE. "So bekommt der Körper alles, was er braucht und auch das Gehirn ist ausreichend versorgt." Auf Alkohol solltest du in der lernintensiven Zeit möglichst verzichten und lieber hinterher das bestandene Abitur ausreichend begießen.

9. Lernregel: Achtee auf eine gesunde Ernährung und trinke viel Wasser. Auf Alkohol solltest du in der Lernphase lieber verzichten.


Nachhilfe kurz vor Schluss

Während der Vorbereitung merkst du, dass dir noch einige Unklarheiten im Kopf herumschwirren? Und auch eure Freunde und Mitschüler wissen keinen Rat? Dann wird es Zeit für Plan B. Was viele nicht wissen: Professionelle Nachhilfe-Institute bieten spezielle Abiturvorbereitungskurse an, die das nötige Wissen vermitteln. Und das notfalls kurz vor knapp.

"Neben den Stammschüler, die fast die gesamte Schulzeit über bei uns waren, kommen auch spontan einige neue Gesichter hinzu", weiß Angelika Bruske, Leiterin der Schülerhilfe in Bochum. Auch wer bisher noch keinen Kontakt zu Nachhilfeinstituten hatte, findet dort also Rat. "In Crashkursen von fünf Mal 90 Minuten Einzelunterricht geht es den Wissenslücken an den Kragen", verspricht Bruske. Auf dem Programm steht der aktuelle Stoff der Problemfächer. Die Vorbereitung erfolgt sowohl inhaltlich als auch formal, bei Bedarf kannst du so auch trainieren, die Klausuren strukturiert anzugehen. Auch fürs mündliche Abi halten die Experten Tipps bereit. So bist du für die anstehenden Prüfungen bestens gerüstet.

10. Lernregel: Unterstützung findest du bei deinen Freunden und Mitschüler. Wenn du wirklich ratlos bist, können dir Nachhilfe-Institute auf die Sprünge helfen.


Auf einen Blick: Richtig fürs Abitur lernen in zehn Schritten

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