Zu hoher NC Psychologie
Psychologie: Ein beliebtes Studienfach | Foto: Thinkstock/Kubkoo

Studium

02.09.2014

Erfahrungsbericht FernUni Hagen

Erfahrungsbericht eines Psychologie-Studenten der FernUni Hagen

Im Interview mit UNICUM: Till Tönnißen

Till Tönnißen (25) kommt aus Gladbeck im Ruhrgebiet und hat dort auch sein Abitur gemacht. Da der Abiturschnitt nicht gut genug war, scheiterte der Wunsch an einer Univer ... mehr »

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06. Jan 2016

Simon Sperl

Studium

Zu hoher NC beim Psychologiestudium?

Alternativen, wenn der Abischnitt nicht für die Uni reicht

Numerus Clausus: Die gefürchtete Hürde

Psychologie ist ein heiß begehrtes Studienfach. Da die Studienplatzkapazitäten der Hochschulen begrenzt sind, ist das Psychologiestudium fast überall zulassungsbeschränkt. Die Beschränkungen an den Hochschulen sehen unterschiedlich aus. Seitdem am 5. Juni 2008 der "Staatsvertrag über die Errichtung einer gemeinsamen Einrichtung für Hochschulzulassung" abgeschlossen wurde, können Universitäten immerhin 60 Prozent der Studienplätze nach eigenen Auswahlkriterien, zum Beispiel über ein Bewerbungsgespräch, vergeben. Letztendlich gesetzlich festgelegt wird das Vergabeverfahren im jeweiligen Landesrecht. Die restlichen 40 Prozent werden entsprechend der Abiturnote und nach der Anzahl der Wartesemester zuerkannt: dem Numerus Clausus.

Im Sommersemester 2015 lag der höchste NC für ein Bachelor-Studium Psychologie bei 1,0 und zwar an der Uni Köln. Die höchste Anzahl an Wartesemestern betrug 36 Semester. Solange mussten Studienfachbewerber an der Uni München warten, um bei zu schlechtem Abischnitt einen Psychologiestudienplatz zu bekommen (Ranking von 43 Hochschulen).

Private Hochschulen: Teuer, aber lohnenswert?

Eine Möglichkeit den NC zu umgehen, ist das Studium an einer privaten Hochschule. Zwar spielt der Abiturschnitt bei der Auswahl ihrer zukünftigen Studenten ebenfalls eine Rolle, aber nur eine von vielen. Denn die Studienplätze werden meistens über interne Auswahlverfahren vergeben. In Assessment-Centern werden Interviews geführt und Rollenspiele veranstaltet. Aber auch schriftliche Tests und Gruppenaufgaben warten auf die Bewerber. Auf diese Weise der Auswahl rückt der Abiturschnitt in den Hintergrund und die Eignung und Motivation der künftigen Studierenden in den Vordergrund.

Neben dem fehlenden NC sind die hohen Studienkosten der größte Unterschied zu staatlichen Hochschulen. An der Hochschule Fresenius kostet der Bachelor Angewandte Psychologie 725 Euro pro Monat (Stand: Juni 2015). Beim Bachelor Angewandte Psychologie an der SRH Hochschule Heidelberg kommen Kosten von monatlich 620 Euro auf die Studierenden zu: Macht bei 3 Jahren für das Bachelor-Studium eine Gesamtgebühr von 22.320 Euro. Eine Summe, die sich trotz zahlreicher Förderungsmöglichkeiten, zum Beispiel BAföG, Stipendium oder Studienkredit, nicht jeder Studierende leisten kann.

Über die Grenzen hinweg: Das Auslandsstudium

Da lohnt sich ein Blick über die deutschen Grenzen hinweg. Unsere direkten Nachbarländer Österreich, die Niederlande und Belgien bieten Psychologiestudiengänge ohne NC an. Dort sind die Psychologiestudiengänge entweder komplett zulassungsfrei oder die Vergabe findet über ein notenunabhängiges Losverfahren statt. Die Studienkosten fallen ähnlich 'gering' aus, wie an staatlichen, deutschen Hochschulen.

In Österreich beträgt der Studienbeitrag ca. 380 Euro pro Semester. Jedoch können die Ausgaben für die Wohnung und Lebenshaltung höher ausfallen als in Deutschland. Für deutsche Studierende besonders attraktiv ist das Studium dort (zum Beispiel Universität Innsbruck), weil auch die Sprache, im Gegensatz zu anderen Ländern, kein Problem darstellt. Allerdings muss für die Zulassung ein Aufnahmetest bestanden werden.

Etwas teurer (ca. 600 Euro pro Semester) und sprachlich schwieriger ist ein Psychologiestudium in Belgien (zum Beispiel Vrije Universiteit Brussel). Deshalb müssen ausländische Studierende vor Beginn auch einen Sprachtest (Niederländisch bzw. Französisch) absolvieren. Großes Plus: Belgische Hochschulen versuchen jedem Studienbewerber einen Studienplatz zu garantieren.


Alternative Wege

Wenn weder private Hochschulen noch ein Auslandsstudium in Frage kommen, bleibt noch die Suche nach Alternativen zum Fachgebiet Psychologie. Wenn für euch die Beschäftigung mit Menschen der Hauptgrund ist, Psychologie zu studieren, gibt es noch andere Studiengänge die durchaus in Frage kommen.

In der Soziologie zum Beispiel wird das soziale Verhalten von Menschen erforscht. Abschlüsse in Studiengängen wie Heil- und Sozialpädagogik führen zu Berufen, in denen die Unterstützung behinderter und benachteiligter Menschen die Haupttätigkeit ausmacht. Auch ein BWL-Studium bietet Berührungspunkte mit Psychologie. Im fortgeschrittenen Studium können Schwerpunkte in Richtung Wirtschaftspsychologie gewählt werden. Wer also keine Traum-Abiturnote vorweisen kann, muss sich nicht gänzlich von einem Psychologiestudium verabschieden. Es gibt Umwege und Alternativen, die ebenfalls zum Ziel führen.

Die FernUniversität Hagen: Ein Geheimtipp?

Eine Sonderstellung unter den staatlichen Hochschulen nimmt die FernUniversität Hagen ein. Dort gibt es keinen Numerus Clausus und auch kein Auswahlverfahren, wenn man den Bachelor Psychologie studieren möchte. Die Kosten halten sich ebenfalls in Grenzen. Das gesamte Bachelorstudium kostet ca. 1.800 Euro.

Der Vorteil des Studiums von daheim, ist jedoch auch gleichzeitig der größte Nachteil. "Aufgrund des mangelnden Kontakts und der Tatsache, dass ich nicht in einer großen Studentenstadt gelebt habe, blieb mir das typische Studentenleben völlig vorenthalten", berichtet Till, der den Bachelor in Psychologie an der FernUni Hagen absolvierte und nun in Hamburg studiert, im Gespräch mit UNICUM Abi. Das ganze Interview gibt's unter abi.unicum.de/erfahrungsbericht-fernunihagen

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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 08. Mär 2016 um 06:40 Uhr von Simon P. H.
Guter Artikel. Man muss nur noch ergänzen, dass die Fernuni Hagen einen Stopp des Psychologiestudiums durchgeführt hat (auf unbestimmte Zeit). Es existiert eine Pressemitteilung der Fernuni Hagen dazu. Schöne Grüsse, Simon