Ein Studium weist den Weg ins Gesundheitswesen
Studiengänge im Gesundheitswesen gewinnen an Bedeutung | Foto: Thinkstock/bitontawan
Autorenbild

22. Apr 2016

Rita Martens-Baentsch

Studium

Studiengänge im Gesundheitswesen

Pflegewissenschaft, Gesundheitsmanagement und Co.

Neue Wege mit Studiengängen im Gesundheitswesen

Wer Arzt oder Ärztin werden will, studiert Medizin. Für andere Gesundheitsberufe, wie den des Logopäden oder der Ergotherapeutin, macht man eine Ausbildung. Das denken zumindest die meisten. Das war vielleicht früher so, aber so genannte "Heilhilfsberufe" kann man seit einigen Jahren in den vielfältigsten Studiengängen studieren. Was in anderen Ländern längst üblich ist, blieb in Deutschland eher die Ausnahme. Aber auch hierzulande akademisieren sich die nicht medizinischen Heilberufe. Mehrere Faktoren sind dafür verantwortlich.

Die Akademisierung wurde durch spezielle Regelungen in den Berufsgesetzen möglich, die der Deutsche Bundestag 2009 verabschiedet hatte. Sie erlaubten den Bundesländern, die Ausbildung für Gesundheitsberufe probeweise in die Hände von Hochschulen zu legen. Vor allem die Pflege fand in der Folgezeit den Weg an die Hochschule, um den Anschluss an internationale Qualitätsstandards nicht zu verpassen, was nach der Bologna-Reform – die ein gemeinsames europäisches Studiensystem vorsah – auf viele Studiengänge zutraf.

Die Überalterung der Gesellschaft beschäftigt spezialisierte Studiengänge

Ein weiterer Grund ist die Überalterung der Gesellschaft. Sie führt dazu, dass immer mehr ältere und kranke Menschen Leistungen des Gesundheitssystems benötigen. Die Anforderungen steigen, auch weil die Versorgung alter Menschen durch eigene Familienmitglieder abnimmt. Kliniken und Seniorenheime müssen sich auf diesen wachsenden Bedarf einstellen. Sie benötigen Mitarbeiter, die Kenntnisse in technischen Prozessen besitzen, um zum Beispiel verschiedene Therapien bei einem Schlaganfallpatienten zu koordinieren, der Ergo-, Logo- und Physio-Maßnahmen durchläuft. Darauf bauen spezialisierte Studiengänge und MBA-Programme verschiedener Hochschulen auf, die extra für die Gesundheitsbranche entwickelt wurden.

"Das Gesundheitswesen wird zunehmend komplexer. Der Bereich der IT in der Gesundheitsversorgung wächst unaufhörlich", sagt der Dekan des Fachbereichs Gesundheitswesen der Hochschule Niederrhein Prof. Dr. Benno Neukirch. "Wer bei uns studiert, soll an den Schnittstellen der Gesundheitsversorgung zum Management und zur Informationstechnik ausgebildet werden."

Kenntnisse in Ökonomie, Datenanalyse, Controlling und IT seien im Gesundheitssystem der Zukunft gefragt. Ausgebildete Fachkräfte gebe es dafür kaum. Das soll sich ändern. Nicht-Mediziner bekommen durch ein Studium berufliche Aufstiegschancen. "Daher bieten wir in Krefeld neben Angewandten Therapiewissenschaften und eHealth auch den Studiengang Health Care Management an", erklärt Pressesprecher der HS Niederrhein Christian Sonntag: "Die alten Strukturen – hier Ärzte, dort Pflegepersonal – werden den neuen Anforderungen im Gesundheitswesen nicht mehr gerecht." Eine Klinikverwaltung ohne Hochschulabsolventen? Das gebe es heute kaum noch.


Beispiele für Studiengänge in der Gesundheitsbranche

Pflegewissenschaft/ Pflegemanagement

Wer Pflege in Vollzeit studieren will, sollte vorher eine Ausbildung abgeschlossen haben. In Teilzeit geht es berufs- oder ausbildungsbegleitend. Pflegewissenschaftler oder -manager lernen im Studium ein breites fachliches Wissen von den Grundlagen der Rechtswissenschaften, über BWL bis hin zur Palliativpflege und Gerontologie – und werden so zu Nachwuchsführungskräften in der Pflege ausgebildet.


Health Care Management/ Gesundheitsmanagement

Neben Wirtschaftsmathe und Ökonomie stehen auch Kostenrechnung oder Prozessorganisation auf dem Stundenplan des Bachelor-Studiengangs. Das Master-Studium vertieft diese Kenntnisse mit den Themen strategische Entwicklung, Führungsaufgaben und Public Health. Die Absolventen finden Arbeit in Krankenhäusern, bei Versicherungen, aber auch bei Software-Entwicklern.


Gesundheits- und Sozialmanagement

Für Führungspositionen im Sozial- als auch im Gesundheitswesen qualifiziert man sich mit diesem Studium, um beispielsweise bei Krankenkassen, Versicherungen, Verbänden und auch Krankenhäusern Führungspositionen übernehmen zu können. Die Inhalte des Studiums sind breit gefächert: Rechnungswesen, Marketing, Projektmanagement, Recht, aber auch Fall- und Pflegemanagement, sowie Sozialmedizin, Psychologie und wissenschaftliches Arbeiten.


eHealth

Strukturwissen zu IT und Gesundheitswesen sind die Basis beim eHealth-Studium. Die Studierenden werden ebenso mit natur- und betriebswirtschaftlichen Fächern darauf vorbereitet, ihre Kenntnisse methodisch auf praxisorientierte Problemstellungen anzuwenden: Für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte zum Beispiel ist eine Vernetzung zu anderen Systemen notwendig. Wer eHealth studiert, qualifiziert sich zum Medizininformatiker und kann in die Medizintechnik gehen.


  • Ein Verzeichnis der Hochschulen, die Studiengänge im Gesundheitswesen anbieten, findest du unter www.unicheck.de

Artikel-Bewertung:

3.15 von 5 Sternen bei 130 Bewertungen.

Passende Artikel

Deine Meinung: