Work and Travel Japan
Der Schilderwald im Bezirk Shibuya in Tokio | Foto: Thinkstock/7maru
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16. Jul 2015

Barbara Kotzulla

Ins Ausland

Work & Travel in Japan

Spannende Alternative zu Australien & Co.

Der erste Schritt nach Japan: Das Visum

Bevor es für dich los gehen kann, musst du dich erst zuhause um ein Working-Holiday-Visum kümmern. Dieses ist für Japan kostenlos, gilt für 12 Monate und darf nur einmal im Leben beantragt werden. 

Die Voraussetzungen:

  • Alter: 18-30 Jahre
  • Deutsche Staatsbürgerschaft
  • Nachweis von finanziellen Mitteln in Höhe von 2.000 Euro bei Einreise
  • Ein bezahltes Rückflug-Ticket oder Nachweis von finanziellen Mitteln, um ein solches zu erwerben
  • Keine eigenen Kinder

Anders aber als bei Australien oder Neuseeland kannst du das Visum nicht einfach online beantragen: "Man braucht einen Termin bei der japanischen Botschaft oder einem Konsulat und muss dafür verschiedene Dokumente vorbereiten", erklärt Jenny Plöger, Projektmanagerin bei "Work & Traveller". Dazu gehören u.a. der Nachweis einer Auslandskrankenversicherung, aber auch ein Lebenslauf sowie ein einseitiges Motivationsschreiben auf Englisch oder Japanisch. 

Je früher du das Visum beantragst, umso besser – du solltest dich aber spätestens 3 Wochen vor Reisebeginn darum kümmern.

Ohne geht's nicht: Die Sprache

"Die meisten Work & Travel-Reisenden besuchen in den ersten Wochen eine Sprachschule", so Jenny Plöger. Denn obwohl Tokio zu den großen Metropolen der Welt gehört, tun sich Japaner mit der englischen Sprache schwer.

Diese Erfahrung hat auch Stefan Schröter gemacht, der sich im Rahmen seines Studiums "Modernes Japan" mehrmals im Land der aufgehenden Sonne aufgehalten hat: "Die wichtigsten Floskeln sollte man als Ausländer auf jeden Fall beherrschen. Und bei einer längeren Reise sollte man mindestens seinen eigenen Namen in der Silbenschrift Katakana beherrschen."

Um das Lesen der komplizierten Schriftzeichen braucht man sich in den größeren Städten und Orten laut Stefan keine Sorgen machen, da z.B. die Stationen an Bahnhöfen mittlerweile in lateinischen Buchstaben ausgeschrieben sind. "Abseits der typischen Touristen-Spots kann es aber passieren, dass man in einem kleinen Restaurant landet, in dem das Personal kein Englisch spricht. Dann ist es von Vorteil, wenn man die Kanji genannten Zeichen für Schwein, Rind, Huhn oder Fisch beherrscht."

Work ...

Gerade in der Gastronomie gibt es für Backpacker gute Chancen auf eine Anstellung – vor allem in größeren Städten. Doch es lohnt, sich auch in ländlicheren Gegenden umzusehen: "Japan gilt zwar als Industrienation, doch es gibt auch ein großes Netzwerk aus Farmen. Das ist dann gleichzeitig eine schöne Möglichkeit, die Sprache besser zu erlernen. Schließlich ist man in einer Gastfamilie untergebracht und muss kommunizieren," so die "Work & Traveller"-Expertin Jenny Plöger. Dieses Prinzip kennt man auch aus anderen Ländern als WWOOFing.

Generell kann man sich bei seinem Work & Travel-Aufenthalt überall bewerben – mit einer Ausnahme: Bars und Nachtclubs sind absolut tabu! "Da gibt es eine Einschränkung der Behörden. Aber in Restaurants, die am Abend länger geöffnet haben, gibt es keine Probleme", so Plöger.

... and Travel?

Die meisten Backpacker starten ihren Aufenthalt in Tokio. Vor Ort steigt man dann am besten auf die öffentlichen Verkehrsmittel und Züge um: "Wenn man rumreisen will, empfiehlt sich der Japan Rail Pass, den man allerdings nur aus dem Ausland buchen kann", so Japan-Fan Stefan Schröter, "er ermöglicht während der Laufzeit die Nutzung aller Züge der Eisenbahngesellschaft JR." Einen solchen Pass gibt es ab umgerechnet ca. 200 Euro.

Für den öffentlichen Nahverkehr ist dagegen die "Suica-Card" eine Alternative zum Papierticket: Du kannst Guthaben auf diese Prepaid-Card laden und damit in U-Bahnen, vielen Bussen und sogar Geschäften bezahlen.

"Ein Auto würde ich in den großen Städten nicht mieten", ergänzt Jenny Plöger. "Wenn man jedoch die meiste Zeit auf dem Land unterwegs ist, ist das kein Problem. Der Großteil aller Backpacker nutzt aber die öffentlichen Verkehrsmittel."

Von Gastfreundschaft & Fettnäpfchen

"Das 'Work & Travel'-System ist in Japan noch nicht so bekannt wie in Australien. Man muss sich viel erklären: Was man macht, woher man kommt, was man machen möchte. Am Anfang ist es dann vielleicht nicht einfach, einen Job zu finden. Doch hat man sich erst einmal vorgestellt, nehmen die Japaner Backpacker sehr offen und freundlich auf", berichtet Jenny Plöger von den Erfahrungen als Anbieter.

Als Ausländer sollte man sich ruhig trauen, seine neu erworbenen Sprachkenntnisse auszuprobieren, denn laut Stefan Schröter hat man "bei Einheimischen schon mit wenigen Brocken Japanisch einen Stein im Brett und wird überschwänglich gelobt."

Generell wird man von Japaner zwar mit einiger Vorsicht, aber doch sehr zuvorkommend behandelt – wenn man denn auch die kulturellen Unterschiede berücksichtigt und nicht in jedes Fettnäpfchen tritt.

Die No-Go's in Japan:

  • Rauchen auf der Straße ist verpönt.
  • Ebenso Essen im Gehen.
  • In traditionellen Restaurants oder zu Besuch bei einer Familie werden die Schuhe am Eingang ausgezogen. In der Regel gibt es Hausschuhe.
  • Es gibt spezielle "Toiletten-Schuhe", die man für den Gang zum stillen Örtchen anzieht – und danach auch wieder auszieht!
  • Beim Essen nie die Stäbchen in den Reis stecken: Das erinnert an die Räucherstäbchen, die traditionell in den Opferreis für die Toten gesteckt werden.

Im Vorfeld eines Japan-Trips solltest du dich also am besten im Internet oder mit guten Reiseführern über die Gepflogenheiten des Landes gründlich informieren. Es gibt dazu unzählige Foren und Seiten wie z.B. www.japan-guide.com

Alleine planen oder mit einer Agentur?

Das hängt ganz von dir ab: Wenn du auf eigene Faust Work & Travel in Japan organisieren willst, solltest du im Vorfeld möglichst viel planen – einen Platz in einer Sprachschule buchen, Kontakt zu Firmen aufnehmen, dich über Behördengänge informieren, etc. Bei der Einreise nach Japan musst du z.B. am Flughafen eine Residence Card ausfüllen und mit dieser dann beim Einwohnermeldeamt eine Aliencard beantragen. Eventuell brauchst du auch ein japanisches Konto. Der Service der "Japan Association for Working Holiday Makers" kann dir in vielen Punkten weiterhelfen.

Wer sich für ein Work & Travel-Programm eines deutschen Anbieters entscheidet, wird in vielen Dingen an die Hand genommen: "Gerade die Behördengänge sind für Sprachanfänger nicht einfach. Bei 'Work & Traveller' macht man diese immer zu zweit mit einem Betreuer vor Ort", erklärt Jenny Plöger. Auch eine Unterkunft ist meist in den Paketen enthalten, ebenso eine erste Hilfestellung bei der Suche nach Jobs. Auch lernt man durch ein Programm schnell andere Backpacker kennen und fühlt sich dadurch anfangs nicht ganz allein in einem fremden Land.

Warum gerade Japan?

Stefan Schröter erklärt die Faszination Japan so: "Auch wenn es wie eine Standardphrase klingt: Mir sind bis jetzt nur wenige Länder untergekommen, die gleichzeitig so hochtechnisiert sind und gleichzeitig so an alten Bräuchen festhalten. Dazu ist das schiere Ausmaß von Städten wie Tokio unheimlich beeindruckend: Natürlich sind auch London oder Berlin Metropolen, sie kommen aber nicht an die Megastadt Tokio heran."

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