Minderjährig ins Ausland
Ein Auslandsaufenthalt ist immer aufregend | Foto: Thinkstock/monkeybusinessimages
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19. Mai 2015

Janina Finkemeyer

Ins Ausland

Nach dem Abi mit 17 ab ins Ausland

Farmarbeit, Freiwilligendienst oder Bildungsjahr

Viele sind nach dem Abi noch Minderjährig

Wer nach zwölf Schuljahren Abitur macht, frühzeitig eingeschult wurde oder eine Klasse übersprungen hat, ist beim Abi häufig noch nicht volljährig. Willst du dann eine Ausbildung oder ein Studium machen, müssen Mami oder Papi immer an deiner Seite sein. Egal ob bei der Ausbildungsvertragsunterzeichnung oder der Einschreibung an der Uni. Auch wenn du nach dem Abi ins Ausland willst, wirst du als Minderjährige vor große Probleme gestellt. Die meisten Programme sind erst ab 18 möglich. Aber es gibt auch Ausnahmen.

Gute Vorbereitung ist enorm wichtig

Egal für welche Organisation, welches Programm oder welches Land du dich entscheidest, du brauchst immer das Einverständnis deiner Eltern. Wenn die gegen einen Auslandsaufenthalt sind, musst du warten bis du volljährig bist. Außerdem solltest du dich vorher informieren, welche Rechte du mit 17 in deinem Gastland hast und wo es Probleme geben könnte. Auch die unterschiedlichen Visa-Bestimmungen der einzelnen Länder gilt es zu beachten. Wer mehrere Monate in einem fremden Land arbeiten möchte, braucht die Erlaubnis dafür. Innerhalb der EU benötigt ihr jedoch kein extra Visum. Es genügt ein gültiger Reisepass oder Personalausweis.


Bildungsjahr

Die Organisation Study Nelson bietet minderjährigen Abiturienten die Möglichkeit, ein Jahr in Neuseeland zu verbringen. Wenn du vor Beginn deiner Ausbildung oder deines Studium deine Kenntnisse in Englisch noch etwas verbessern willst, kannst du in Neuseeland einen Sprachkurs machen. Die Kurse beginnen jeweils im September oder Januar, dauern vier Monate und schließen mit dem international anerkannten Cambridge Zertifikat ab. In dieser Zeit wohnst du bei einer Gastfamilie. Wenn du länger bleiben willst, kannst du anschließend ein Praktikum absolvieren. Für acht, zwölf oder zwanzig Wochen schnupperst du in einen Beruf rein. Bei der Stellensuche unterstützt dich die Organisation.

Wirst du während des Aufenthalts 18 Jahre alt, kannst du auch nach dem Sprachkurs ein Work & Travel- oder Au Pair-Programm absolvieren. Je nachdem für welche Sprachkursvariante du dich entscheidest, musst du zwischen 6.000 und 8.400 Euro bezahlen. In den Kosten sind allerdings schon Hin- und Rückflug enthalten. Vier bis sechs Monate vorher solltest du dich für die Programme anmelden.

Weitere Infos unter: www.studynelson.com


Farmarbeit

Wenn du dich für die Natur und Tiere interessierst, bist du bei WWOOF gut aufgehoben. WWOOF ist die Abkürzung für World-Wide Opportunities on Organic Farms und bietet dir die Möglichkeit, das Leben auf dem Bauernhof kennen zu lernen. Es gibt freie Kost und Logis, die Reisekosten musst du allerdings selbst tragen. In immer mehr Ländern gibt es Farmen, die Freiwillige aufnehmen. Als Minderjährige hast du in Kanada, Portugal, Italien und Irland gute Chancen. Die Arbeit vor Ort ist von Farm zu Farm unterschiedlich. Entweder hilfst du im Haushalt, bei der Gartenarbeit, bei den Tieren oder auf dem Feld. Welche Tätigkeiten du genau ausübst, entscheidest du zusammen mit deiner Gastfamilie. Am besten sprichst du schon vor deiner Ankunft über die genauen Aufgaben. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Die meisten Länder haben eine eigene WWOOF Organisation, bei der du dich anmelden musst. Dann bekommst du eine Liste mit möglichen Gastfarmen zugeschickt und kannst mit diesen in Kontakt treten. Wie lange du auf einer Farm bleibst, entscheidest du zusammen mit deiner Gastfamilie. Zwischen ein paar Wochen und ein paar Monaten ist alles möglich. Wenn du dich für WWOOFing interessierst, musst du viel selbst organisieren. Wer sich nicht eigenständig um An- und Abreise, Versicherungen und Visum kümmern möchte, der sollte sich lieber für ein anderes Programm entscheiden. 

Weitere Infos gibt’s unter: www.wwoofinternational.org


Freiwilligendienst

Wenn du Wert auf einen organisierten Auslandsaufenthalt legst, kannst du zum Beispiel mit TravelWorks in euer Abenteuer starten. Mit 17 Jahren hast du die Chance nach Costa Rica, Tansania, Sambia oder Indien zu reisen.

Auch wenn du noch minderjährig bist, bekommst du keine Sonderstellung in den einzelnen Projekten. Du musst die gleiche Arbeit leisten wie volljährige Teilnehmer. Mit einem kostengünstigen Urlaub ist die Freiwilligenarbeit nicht zu vergleichen. Mit mindestens 1.000 Euro Programmgebühr musst du rechnen. Hinzu kommen die Kosten für die An- und Abreise.

Costa Rica

Das Programm startet mit einem ein- bis vierwöchigen Sprachkurs in San José, der Hauptstadt Costa Ricas. Anschließend beginnt die Arbeit in einem Hilfsprojekt. Du engagierst euch entweder im sozialen Bereich, in Kindertagesstätten und Pflegeheimen oder im Bereich des Naturschutzes. Dort hilfst du bei der Säuberung von Stränden, bei Schildkrötenschutzprojekten oder bei der Instandhaltung von Wanderwegen.

Die Unterbringung erfolgt in Gastfamilien oder in Nationalparks. Am Wochenende hast du in der Regel frei. Unter der Woche arbeitest du durchschnittlich vier bis fünf Stunden pro Tag. Insgesamt kann dein Aufenthalt vier bis zwölf Wochen dauern. Mindestens zwei bis drei Monate vor der geplanten Abreise solltest du dich bewerben.

Tansania

Der Schwerpunkt der Freiwilligenarbeit liegt in Tansania auf dem Englischunterricht. Deswegen brauchst du unbedingt gute bis sehr gute Englischkenntnisse. Entweder arbeitest du in Vorschulen und bringst den Kindern spielerisch die ersten englischen Wörter bei oder du bist in Grund- und weiterführenden Schulen beschäftigt. Dort unterstützt du die Lehrer in Englisch und in naturwissenschaftlichen Fächern. Außerdem kümmerst du dich um die Instandhaltung der Schulgebäude und organisierst Sportnachmittage.

Eine weitere Möglichkeit der Freiwilligenarbeit in Tansania bietet sich in der Erwachsenenbildung. Damit der dortige Tourismussektor weiter gestärkt werden kann, müssen Einheimische Englisch- und Computerunterricht bekommen, im Umgang mit Geld geschult und zu Gastronomiefachkräften ausgebildet werden. Die Unterbringung erfolgt während des zwei- bis achtwöchigen Aufenthalts in Mehrbettzimmern in speziellen Bungalows. Mindestens drei Monate vor Programmstart müsst ihr euch anmelden.

Sambia

Wer sich für Tiere interessiert ist in Sambia genau richtig. Während des vier bis zwölfwöchigen Aufenthalts arbeitest du sechs bis acht Stunden täglich und hast zwei Tage frei. In einem Löwenschutzprogramm gewöhnst du neugeborene Tiere an ihren natürlichen Lebensraum. Zuerst machst du Buschwanderungen mit den jungen Löwen und sorgst anschließend dafür, dass sie sich in Rudeln organisieren, selbstständig jagen und ausgewildert werden können. Nebenher hältst du Vorträge in Schulen über die Tierwelt, den Tierschutz, Gesundheit und Hygiene. Ein Engagement im Löwenprojekt kann zwischen zwei und vier Wochen dauern.

In Sambia kannst du aber auch für zwei bis acht Wochen bei sozialen Projekten helfen. Du bringst Kindern verschiedene Sportarten bei, förderst ihre Talente, unterstützt Physiotherapeuten bei ihrer Arbeit in Altersheimen, arbeitest in Krankenhäusern und hilfst bei Aufklärungsworkshops, in denen die Menschen zum Beispiel über Hygienemaßnahmen, Ernährung und HIV informiert werden. Auch in Schulen sind Freiwillige gern gesehen, um im Unterricht oder bei den Hausaufgaben zu assistieren. Untergebracht bist du während eurer Zeit in Sambia in Mehrbettzimmern. Die tägliche Arbeitszeit beträgt sechs bis acht Stunden.

Indien

In Indien bist du hauptsächlich für die Bildung, Fürsorge und Instandhaltung zuständig. Gute bis sehr gute Englischkenntnisse und eine handwerkliche Begabung sind von Vorteil. Zu Beginn des Programms gibt es ein Orientierungsseminar, in dem du wichtige Tipps für die Arbeit und Infos zum Land erhältst. In speziellen Projekten für Frauen gibst du Englisch und- Computerunterricht, stärkst das Selbstwertgefühl der weiblichen Einheimischen und erhöhst damit die Chancen, dass sie einen Arbeitsplatz finden. In Schulen und Tagesstätten kannst du Mathe und Englisch unterrichten, bei den Hausaufgaben helfen, Freizeitaktivitäten für die Schüler planen und ihnen beibringen, wie wichtig Hygiene ist. Auch die Zubereitung von Frühstück und Mittagessen und die Kontrolle des Gesundheitszustands der Kinder liegen in deinem Aufgabenbereich. Fallen Sanierungs- oder Umbauarbeiten an, hilfst du auch da bei der Durchführung. In Indien kannst du als Freiwilliger vier bis zwölf Wochen arbeiten.

Weitere Infos gibt’s unter: www.travelworks.de

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